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Transformationsprozesse in Unternehmen sind eine enorme Herausforderung. Es gilt, möglichst viele Menschen in der Organisation auf dem Weg mitzunehmen. Denn Veränderungen gelingen nur gemeinsam und mit überzeugten Mitarbeitenden: vom Vorstand bis zum Azubi.

Barbara Lutz

Gründerin und Geschäftsführerin des Frauen-Karriere-Index und des Impact of Diversity

Foto: Christoph Kassette.

Ein Kulturwandel zu mehr Diversität ist ein besonders ambitioniertestes Transformationsvorhaben.

Führungspositionen vielfältiger zu besetzen und den Anteil von Frauen dort zu erhöhen ist ein Ziel, mit dem sich viele Unternehmen trotz bester Absichten immer noch schwertun. Die Lehmschichten in der Organisation sind zäh, die Beharrungskräfte groß.

Doch das Problem liegt dabei nicht wie häufig vermutet bei denjenigen, die sich offen dem Neuen entgegenstellen. Das Problem sind vielmehr die sog. Ja-Sager. Die Abwartenden, die nicht offen widersprechen und sich stets raus-halten. Sie zementieren so genau die Strukturen, die eigentlich überwunden werden sollen.

Foto: Master1305 via Shutterstock.com

Mein Team und ich sind bei der jährlichen Erstellung unseres Frauen-Karriere-Index seit dem Jahr 2012 in Hunderten Tiefenexplorationen immer wieder auf diesen Typus gestoßen, der zwar JA sagt, aber eigentlich NEIN meint. In Veränderungsprozessen gibt es drei Gruppen: die Aktiven, die das Neue unterstützen. Die Verhinderer, die es offen bekämpfen. Und ebenjene Gruppe der Abwartenden und Ja-Sager. Sie stellt mit etwa 40 Prozent die größte Fraktion – und das ist bereits ein großer Teil des Problems.

Viele Unternehmen sind sich dessen nicht bewusst und scheitern deshalb mit ihren Transformationszielen.

Denn der Ja-Sager gibt sich nach außen verbindlich und kooperativ, ist aber innerlich nicht überzeugt. So stellen Unternehmen oft nach einem Jahr verwundert fest: Unter den Neubesetzungen von Stellen sind nach wie vor kaum Frauen. Trotz klarer Diversitäts-Ziele und Vorgaben hat sich im Grunde nichts verändert.

Wie lassen sich diese Chamäleons aufspüren und überzeugen?

Zunächst durch eine fundierte Analyse. Man führt Interviews mit ausgewählten Personen in einer Organisation. Mit sprachwissenschaftlichen Analyse-Instrumenten und entsprechender Gesprächsführung werden hier die versteckten Anti-Haltungen zutage gefördert.

Auf der Basis dieser Analyse gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Die geeigneten Maßnahmen fallen von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich aus. Nicht jeder zahlenfixierte Ingenieur lässt sich auf ein Unconscious-Bias-Rollenspiel ein. Es gilt, die Menschen in der Sprache zu überzeugen, die sie verstehen.

Das Wichtigste Instrument aber liegt in den Händen des Vorstands.

Die Unternehmensführung muss sich glasklar positionieren. Die Aussagen und Ziele müssen absolut unmissverständlich sein. Wenn die Unternehmensspitze auf diese Weise klar macht, dass sie wirklich meint, was sie sagt, bleibt auch für die Ja-Sager-Fraktion kein Spielraum mehr für Interpretationen. Dann ist ein JA auch wirklich ein JA. 

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Diversity Management

Wussten Sie schon früh, dass Sie sich für eine technische Ausbildung entscheiden?

Alexandra Seregely: Mathe und Physik waren in der Grundschule meine Lieblingsfächer. Auch mein Vater war bereits Elektrotechniker. Die reine Physik war mir jedoch nicht spezifisch genug. Ich brauchte „etwas Handfestes“. Mich faszinierte daher sehr bald das Thema Energie. Aufenthalte in Entwicklungsländern, wo Menschen ohne Energieversorgung leben, bestärkten mich darin.

Rebekka Beißel: Lustigerweise war es bei mir ähnlich. Mit denselben Interessen in der Schule und einem Vater, der aus der gleichen beruflichen Richtung kommt. Es macht deshalb Spaß, sich auch im Elternhaus über das Thema auszutauschen. Mich reizte vor allem die Windenergie. Deshalb habe ich mich auch in meiner Masterarbeit darauf spezialisiert.

Bei den erneuerbaren Energien gibt es noch viel zu entdecken.

Welche weiteren beruflichen Ziele haben Sie?

Rebekka Beißel: Meine Arbeit ist zurzeit sehr abwechslungsreich. Ich will erstmal ankommen. Bei den erneuerbaren Energien gibt es noch viel zu entwickeln. Ich habe aber keinen festen Plan für die nächsten zehn Jahre.

Alexandra Seregely: Als Berufseinsteigerin will ich auch erst Erfahrungen sammeln und eine gute Basis und Ausbildung genießen. Dann wird man sehen.

Wie erleben Sie die Energiebranche, die nach wie vor von Männern dominiert ist?

Alexandra Seregely: Wir kennen es bereits aus dem Studium, das dort nur zehn Prozent Frauen vertreten waren. Aber selbst Professoren waren stolz, wenn in ihren Vorlesungen viele Studentinnen saßen. Bei einem Bewerbungsgespräch wurde ich mal wortwörtlich gefragt, ob ich „Probleme mit Männern hätte”. Auch die Personalerin wies daraufhin, dass Frauen geschickter um das Gehalt verhandeln müssten. Offensichtlich war das noch ein Thema in dieser Firma.

Die reine Physik war mir jedoch nicht spezifisch genug.

Rebekka Beißel: Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Dennoch ist es wichtig, dass noch mehr Frauen in den technischen Berufen tätig sind. In unserem Team ist der Anteil von weiblichen und männlichen Kollegen fast gleich. Das Geschlecht spielt da überhaupt keine Rolle. Jeder hat seine Aufgaben. Es zählen die Stärken und Schwächen des jeweiligen Menschen. Damit fühlen sich alle wohl.

Was muss sich ändern, damit sich die Frauenquote in den Firmen erhöht?

Rebekka Beißel: Als wir studiert haben, gehörten wir noch zu den zehn Prozent Frauen. Diese Zahl hat sich an der Uni eindeutig gesteigert. Dort gibt also schon eine positive Entwicklung.

Alexandra Seregely: Ich glaube, dass Image eine große Rolle spielt. Das fängt schon bei der Wortwahl an. Ein Jahr nach meinem Abschluss in Stuttgart wurde dort das Fach „Erneuerbare Energien” eingeführt. Plötzlich gab es einen Frauenanteil von 60 Prozent. Ob deren Interesse nun diesem Thema galt oder die Bezeichnung positiv wirkte, weiß ich nicht. Inhaltlich lernen sie in den Grundlagen jedoch eine Mischung aus Elektrotechnik und Maschinenbau. Das unterscheidet sich kaum von meinem Lernstoff im Bachelor in Elektro- und Informationstechnik.

Rebekka Beißel: Erzähle ich von meinem Beruf, höre ich oft von Frauen „oh, das ist aber ganz viel Mathe“. Genau dieses Fach mochte ich aber. Bei Jungen wird das Interesse an Naturwissenschaft eher vorausgesetzt. Wenn Mädchen Mathematik nicht verstehen, wird das auch in der Schule zu schnell als natürlich angesehen. Ansetzen muss man deshalb sicher an den veralteten Rollenbildern in den Köpfen der Menschen.

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