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THE FUTURE OF WORK

Die neue Generation der Corporate Benefits

Foto: Xenia Bluhm

Schon in wenigen Jahren wird auf unserem Arbeitsmarkt kaum noch etwas so sein, wie es heute ist. Die Babyboomer gehen in Rente, die Generationen Y und Z übernehmen das Ruder, die Digitalisierung wird zu neuen und wahrscheinlich auch weniger Jobs führen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchen Wandel dies beim Thema „Corporate Benefits“ mit sich zieht. Statt Eckbüro, Bahncard oder Kickertisch weiter zu denken, möchte ich zu fünf vielleicht unerwarteten Benefits inspirieren, die essentiell für die Arbeitswelt der Zukunft sein dürften – eigentlich auch schon für die Gegenwart.

Viel Menschlichkeit, wenig Politik und glaubhafte Werte: Das sind die Corporate Benefits, die wir wirklich brauchen.

Elly Oldenbourg

Managerin, Unternehmerin, New Work & DEI Advokatin

1. Digitalisierung und Kollaboration

Automatisierte, schnelle Geschäftsprozesse, schnell verfügbare Informationen und agile Kollaborationstools wirken gegen Silos und helfen, Hierarchien zu überwinden. Nicht nur deshalb wirken sie extrem anziehend auf Menschen, in deren Leben digitale Plattformen sowieso selbstverständlich sind. Sorgen Sie außerdem für reibungslos funktionierende, moderne Hard- und Software, die auch privat genutzt werden kann, nur dann sind auch größere Unternehmen auf dem Minimum angekommen, um mit agilen Start-ups mithalten zu können.

2. Transparenz statt Politik

Die meisten agilen Arbeitsmethoden haben den wunderbaren Nebeneffekt, dass sie politische Spielchen erschweren. Unternehmen und Teams sollten diese Qualitäten kultivieren, wo sie nur können. Denn je transparenter Entscheidungen getroffen werden, desto fairer werden sie wahrgenommen, umso mehr Synergien und empfundene Selbstwirksamkeit werden gefördert. Welchen besseren Benefit kann es geben, als die Aussicht darauf, sich nicht erst durch ein unternehmenspolitisches Dickicht schlagen zu müssen, bevor die eigene Arbeit und Impact sichtbar werden?

3. Flexibilität und Vertrauen

Genügend Raum und Zeit für Sorgearbeit, Selbstfürsorge und gesellschaftliches Engagement sind keine Nice-to-haves mehr, sondern fundamental für die mentale und physische Gesundheit – und ein riesiger Hebel, um für die Hälfte der potenziellen Arbeitskräfte besonders attraktiv zu sein: Frauen. Tolerieren Sie deshalb nicht nur flexible Arbeitszeitmodelle, sondern fördern Sie sie aktiv. Als Führungskraft noch besser: Machen Sie es selbst vor. Etwa mit Modellen wie Teilzeit oder Jobsharing. Auch wenn alle Vollzeit arbeiten, entscheiden Sie gemeinsam über unverhandelbare Zeiten, bei denen alle präsent oder erreichbar sein müssen. Die restlichen Zeitfenster werden zur individuellen Knetmasse deklariert! Das stärkt Eigenverantwortung und Vertrauen – einen der stärksten Motivatoren überhaupt.

4. Wertekongruenz und menschliche Führung

Das Schlagwort Purpose kennen wir inzwischen alle. Es wird aber bei einer Worthülse bleiben, so lange Arbeitnehmer*innen die Werte des Unternehmens nicht alltäglich erleben und immer wieder sehen, wie sie persönlich darauf einzahlen. Ob das gelingt, steht und fällt mit wirklich gutem Leadership. Investieren Sie in die richtige Aus- und Weiterbildung von Führungskräften – vor allem darin, zu führen (nicht nur zu managen) und immer wieder für das “Warum” zu begeistern. Nur dann werden Werte und Führung auch als Benefit empfunden – wenn sich Führungskräfte nicht mehr in erster Linie durch fachliche Kompetenzen, sondern vor allem durch menschliche Qualitäten wie Empathie, Kommunikationsstärke, Offenheit und der eigenen Lernfähigkeit auszeichnen.

5. Vielseitigkeit – proaktiv und vorsätzlich

In einer Welt mit global vernetzten Märkten ist die Auseinandersetzung mit vermeintlich Unbekanntem und der Vielfältigkeit der Menschen und ihrer Bedürfnisse eigentlich kein Benefit, sondern absoluter Hygienefaktor. Er muss aus heutiger Sicht aber trotzdem genannt werden. Machen Sie Vielfältigkeit, Chancengleichheit und Inklusion in Ihrem Unternehmen zum erklärten Ziel. Denn kaum ein anderer Hebel führt zu mehr psychologischer Sicherheit bei Angestellten und dem Gefühl, ihr ganzes Selbst in die Arbeit einbringen zu können – ein Potentialentfalter, der mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen ist. Und wem das zu weich argumentiert ist: Unternehmen mit divers zusammengesetzten Teams sind bereits heute nachweislich erfolgreicher und innovativer als Unternehmen, die diesen Benefit noch ausblenden.

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Weitere Informationen finden Sie unter: www.ellyoldenbourg.de und Ellys Onlinekurs unter www.new-work-onlinekurs.de.

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War for Talents – Was von 2020 bleibt und wo es uns hinführt

Anna Ott

VP People bei HV Capital

Lucia hatte schon lange davon geträumt, ihre norditalienische Heimat zu verlassen, um Teil der vibrierenden Start-up-Szene Berlins zu werden. Sergej’s Familie in Kiev war stolz, dass ihr Sohn als Softwareentwickler richtig gutes Geld verdiente. Joanna war überglücklich ihren Berufseinstieg in einer jungen, aufstrebenden Tech Company zu finden.

Doch dieses Jahr waren alle irgendwie ernüchtert. Heimweh, Sorge um die Familie in der Ferne, genervt von der viel zu kleinen WG voller Fremder, alleine in der großen Stadt und nicht wissend, ob man Weihnachten nach Hause kommt. Den Traum der Start-up-Karriere haben sich viele junge Menschen in diesem Jahr anders vorgestellt. Unter den KollegInnen neue Freunde finden, eine neue Stadt oder Land für sich entdecken und dabei die Karriere vorantreiben, war alles so viel schwieriger in diesem Jahr.

Nicht selten haben wir in 2020 die jungen Leute für’s Partymachen trotz Corona und Leichtsinnigkeit kritisiert. Darum beneidet, dass sie nicht Homeschooling und Job kombinieren müssen. Und dabei übersehen, dass die Pandemie Parität geschaffen hat und jede und jeder unter Isolation leidet. Ich persönlich hätte die Quarantäne in keiner meiner WGs gerne erlebt. Bin bedrückt, wenn ich höre, dass MitarbeiterInnen aus Platzgründen in Badezimmern an Videocalls teilnehmen. Kann nur ahnen, wie schwierig es ist, als junge Führungskraft die ersten Schritte als Manager in Krisenzeiten virtuell zu erproben. Vom Heimweh nach FreundInnen und Familie im kalten deutschen Winter mal abgesehen.

Dieses Jahr steckt uns allen in den Knochen. Und gerade deswegen haben einige Personalverantwortliche und Führungskräfte in diesem Jahr mehr als zuvor, ihre Verantwortung als Arbeitgeber neu wahrgenommen. Aus dem Stehgreif entstanden virtuelle Yoga-Sessions und Spieleabende, wurden Überraschungspakete mit Wintermützen und Vitaminen gepackt, und Verabredungen zum Spazierengehen getroffen. Wurde über Angebote für “Mental Health” diskutiert und MitarbeiterInnen großzügige Angebote für ortsunabhängiges Arbeiten gemacht.

Wir sind uns alle näher gekommen in diesem Jahr. Nicht nur, weil wir dank Videokonferenzen Einblick in Privaträume und Blicke hinter die professionelle Fassade unserer Chefs und KollegInnen erhielten. Sondern auch, weil wir uns als Mitglieder eines Teams einmal mehr die virtuelle Hand ausgestreckt haben.

Was davon bleibt, wenn wir wieder nebeneinander im Großraumbüro sitzen, weiß niemand. Doch im Kampf um Talente haben dieses Jahr einige Arbeitgeber Nähe und damit bestenfalls Bindung erzeugt. Und das ist genauso wichtig bei Start-ups wie im Mittelstand und Konzernen. Umso mehr dort, wo weniger wirtschaftliche Sicherheitsnetze, stabile Familienverbände oder Heimatnähe die Isolation auffangen können.

Ich bin in diesem Jahr dankbar für vieles geworden.

Aber vor allem für die einfallsreichen, warmherzigen PersonalerInnen und GründerInnen, mit denen ich arbeite, die dieses Jahr trotz wirtschaftlicher Krisen, unsicherer Zukunft und mit wenig Berufs- oder Führungserfahrung Menschlichkeit bewiesen haben.

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