Mathe ist für viele ein Angstfach. Für Mathematik-Absolventin und YouTuberin Susanne Scherer (@MathemaTrick) war es ein Puzzle, das darauf wartete, gelöst zu werden.

Woher und wann kam dein Interesse für Mathematik?
Mein Interesse an Mathematik begann schon in der Grundschule. Für mich war Mathe wie ein kleines Rätsel, das man lösen darf – mit klaren Regeln und einem eindeutigen Ergebnis. Wenn ich einmal verstanden hatte, wie ein Lösungsweg funktioniert, konnte ich ihn sicher gehen. Dieses Gefühl von Struktur und Verlässlichkeit hat mir richtig gut gefallen. Es gab eine klare Logik, auf die man sich verlassen konnte, anders als zum Beispiel im Deutschunterricht, wo man eine Geschichte erfinden sollte und dafür erst eine Idee finden musste.
Natürlich lief nicht alles glatt. Die Strahlensätze zum Beispiel konnte ich damals einfach nicht verstehen und Stochastik in der Oberstufe war für mich der absolute Horror, weil es sich so chaotisch und unübersichtlich anfühlte. Rückblickend wundere ich mich, warum gerade diese Themen so schwer für mich waren, aber das gehört dazu:
Jeder hat seine Lieblingsbereiche – und seine Baustellen.
Wie hat sich dein Ausbildungsweg in der Mathematik gestaltet?
Nach dem Abitur habe ich mich für ein Mathematikstudium in Kaiserslautern entschieden, mit Nebenfach Maschinenbau. Ich hatte Respekt davor, weil ständig erzählt wurde, wie schwer das Studium sein soll. Mein Leistungskurslehrer fragte mich damals nur: „Warum willst du es studieren?“ – und ich antwortete: „Weil es mir Spaß macht.“ Das war seiner Meinung nach die richtige Antwort.
Das Studium selbst war sehr theoretisch. Es ging nicht mehr ums reine Rechnen, sondern ums Beweisen: Aussagen logisch sauber Schritt für Schritt herleiten. Das war anspruchsvoll und oft hatte ich das Gefühl, andere verstehen alles viel schneller als ich. Aber ich habe gelernt: Man muss kein „Genie“ sein.
Fleiß, Geduld und echtes Interesse tragen einen unglaublich weit.
Welche Themen und Bereiche findest du am spannendsten an Mathe und was würdest du anderen, die sich dafür begeistern, als Tipp mitgeben?
Besonders wohlgefühlt habe ich mich in der theoretischen Mathematik, vor allem in der Algebra. Diese Klarheit und innere Struktur faszinieren mich bis heute. Andere lieben angewandte Mathematik oder Statistik. Und genau das ist das Schöne: Mathematik ist unglaublich vielfältig.
Mein Tipp ist deshalb: Finde heraus, was dich wirklich interessiert und geh diesem Gefühl nach. Probier dich aus, hab keine Angst, einen Bereich wieder zu verlassen, wenn er nicht zu dir passt. Das Wichtigste ist, dass man dranbleibt, übt und sich Zeit gibt die Grundlagen zu verstehen. Gerade am Anfang ist Geduld unglaublich wertvoll.
Viele denken bei Mathematik zunächst an Lehr- oder Forschungsberufe. Welche anderen spannenden Berufsfelder gibt es für Mathematikerinnen heute?
Mathematikerinnen arbeiten zum Beispiel in Unternehmen, die große Datenmengen auswerten. Das bedeutet sie schauen, wie Kunden sich verhalten, welche Produkte gut laufen oder wie Abläufe effizienter gestaltet werden können. Andere entwickeln Verschlüsselungen, damit unsere Kommunikation sicher bleibt oder arbeiten in der Finanzbranche und berechnen Risiken.
Es gibt auch die Biomathematik. Dort helfen mathematische Modelle zum Beispiel bei der Analyse von Tumorwachstum oder dem Auswerten komplexer Studien.
Mathematik bedeutet heute oft, komplizierte Probleme so zu strukturieren, dass man kluge Entscheidungen treffen kann und das in den unterschiedlichsten Branchen.
Viele Schülerinnen haben Angst vor Mathe. Welche konkreten Tipps würdest du geben, um diese Hemmschwelle zu überwinden?
Ich glaube, viel Angst ist erlernt. Wir hören früh: „Mathe ist schwer.“ Aber nur weil es jemand anderem schwer fiel, heißt das nicht, dass es dir genauso geht.
Mein wichtigster Tipp: Fang klein an. Such dir Aufgaben, die du leicht lösen kannst und steigere dich Schritt für Schritt. Dranbleiben ist dabei viel wichtiger als Talent. Kaum jemandem fällt Mathe einfach zu – auch mir nicht. Übung und Kontinuität helfen enorm.
Und oft macht es den Unterschied, die richtige Erklärung zu bekommen. Eine Lehrerin, ein Lehrer oder ein Video, bei dem man gerne zuhört und es plötzlich „Klick“ macht. Ich bekomme oft Nachrichten von Menschen, bei denen es Jahre gedauert hat, bis sie ein Thema verstanden haben – und dann war es durch eines meiner Videos wie ein Aha-Moment. Das zeigt:
Mathematik kann man lernen. Es ist kein Talenttest, sondern ein Weg, den man Schritt für Schritt gehen kann.




