
Alexander Albert
Sprecher der DRV-Initiative Chefsache Business Travel
und Vorstandsmitglied im Deutschen Reiseverband (DRV)
Geschäftsreisen erleben derzeit eine bemerkenswerte Neubewertung. Sie sind weder Relikt einer analogen Wirtschaftswelt noch bloße Fortsetzung eingespielter Routinen. Vielmehr stehen sie an einem Punkt, an dem sich ihre Rolle neu definiert: zwischen Effizienzdruck und globaler Präsenz, zwischen digitaler Zusammenarbeit und persönlicher Begegnung, zwischen regulatorischer Verantwortung und unternehmerischer Notwendigkeit.
Lange galt Business Travel vor allem als operative Disziplin – organisiert im Alltag, kontrolliert über Budgets, geregelt durch Richtlinien. Heute zeigt sich: Dieser Blick greift zu kurz. In einer Welt, die wirtschaftlich enger vernetzt und zugleich geopolitisch fragiler geworden ist, entscheidet Mobilität zunehmend über Handlungsfähigkeit. Geschäftsreisen sind dort relevant, wo Märkte erschlossen, Kundenbeziehungen vertieft, Projekte beschleunigt und internationale Partnerschaften belastbar gemacht werden. Sie sind kein Selbstzweck, aber oft ein entscheidender Faktor unternehmerischer Wirksamkeit. Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten führt dies in besonderer Weise vor Augen. Der Konflikt im März 2026 hat erneut gezeigt, wie schnell geopolitische Spannungen zu Flugausfällen, Luftraumsperrungen, Umroutungen und erhöhten Sicherheitsanforderungen führen können – mit unmittelbaren Folgen für internationale Reisetätigkeit, Planbarkeit und Risikomanagement. Tausende Flüge waren betroffen, und selbst Wochen später prägen Unsicherheit, gestrichene Flugverbindungen und verlängerte -routen sowie gestiegene Kosten die Lage. Für Unternehmen ist das eine klare Erinnerung daran, dass Geschäftsreisen nicht nur organisiert, sondern strategisch abgesichert und gesteuert werden müssen.
Gerade deshalb gehört Business Travel in die Chefetage. Nicht, weil jede Reise einzeln legitimiert werden müsste, sondern weil ihr strategischer Wert klarer denn je im Kontext unternehmerischer Ziele betrachtet werden muss. Der Return on Investment von Geschäftsreisen lässt sich heute nicht mehr allein über den Preis eines Tickets oder die Höhe eines Budgets beschreiben. Er bemisst sich an Ergebnissen: an Wachstum, an Kundennähe, an Effizienz, an Resilienz in komplexen Märkten. Wer Geschäftsreisen nur als Kostenstelle begreift, unterschätzt ihren Beitrag zur Wertschöpfung.
Gleichzeitig wächst der Anspruch an die Planung und Durchführung einer Geschäftsreise. Nachhaltigkeit ist auch im Geschäftsreisemanagement keine kommunikative Kür mehr, sondern Teil unternehmerischer Verantwortung. ESG-Kriterien, Transparenzanforderungen und regulatorische Berichtspfl ichten verändern die Maßstäbe, nach denen Mobilität bewertet wird. Unternehmen müssen Reisen wirtschaftlich sinnvoll, organisatorisch effizient und ökologisch belastbar aufstellen. Das verlangt mehr als gute Absichten: Es braucht Daten, Steuerungsfähigkeit und den Mut, Reiserichtlinien weiterzuentwickeln.
Dabei rückt ein Aspekt stärker in den Vordergrund, der lange unterschätzt wurde: Geschäftsreisen sind auch Ausdruck von Unternehmenskultur. Wie Unternehmen Mobilität ermöglichen, priorisieren und regeln, sagt viel über ihre Haltung aus – zu Internationalität, Vertrauen, Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft. Wenn die Travel Policy zum Karrierefaktor wird, geht es längst nicht mehr nur um Buchungsklassen oder Freigabeprozesse. Es geht um die Frage, wie attraktiv ein Unternehmen für Talente ist, wie glaubwürdig es globale Zusammenarbeit lebt und wie ernst es die Bedürfnisse seiner Mitarbeitenden nimmt. Business Travel wird damit auch zu einem Faktor von Employer Branding und Mitarbeiterbindung.
Die Initiative Chefsache Business Travel steht für die Überzeugung, dass Geschäftsreisen kein Nebenschauplatz betrieblicher Organisation sind, sondern ein Bestandteil moderner Unternehmensführung. Wer internationale Marktbearbeitung, Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität zusammendenkt, kommt an diesem Thema nicht vorbei. 2026 wird nicht das Jahr sein, in dem Geschäftsreisen an Bedeutung verlieren. Es wird das Jahr, in dem sich noch deutlicher zeigt, welche Unternehmen Mobilität nur verwalten – und welche sie strategisch führen.
Chefsache Business Travel
„Chefsache Business Travel“ ist eine Initiative der Travel Management Companies im Deutschen Reiseverband (DRV). Ziel der Kampagne ist es, Geschäftsreisen als strategisches Managementthema zu positionieren und Entscheider für die Vorteile eines professionellen Geschäftsreisemanagements in Zusammenarbeit mit spezialisierten Geschäftsreisebüros zu sensibilisieren. Die Initiative versteht sich als zentrale Informationsquelle und Meinungsbildner rund um modernes Travel Management für Geschäftsführungen, Travel Manager, HR-Verantwortliche, Assistenzen und Geschäftsreisende. Getragen wird die DRV-Initiative von den Travel Management Companies ADAC Reisevertrieb, BCD Travel und Lufthansa City Center.
Weitere Informationen finden Sie unter: chefsache-businesstravel.de



