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2022 – ein gutes Jahr, um sich finanziell freizuschwimmen!

Foto: Jacqueline Häußler

Natascha Wegelin

Gründerin und Geschäftsführerin der Madame Moneypenny GmbH

Natascha Wegelin ist Gründerin und Geschäftsführerin der Madame Moneypenny GmbH, deren Ziel es ist, Frauen in die finanzielle Unabhängigkeit zu begleiten. Im Interview erklärt sie, warum 2022 ein gutes Jahr ist, um seinen Freischwimmer in Finanzen zu machen – und auch, wie das genau geht.

Natascha Wegelin, warum ist finanzielle Unabhängigkeit ein Thema?

Ganz einfach: Von finanzieller Unabhängigkeit sind viele Menschen hierzulande weit entfernt, insbesondere Frauen – viele von ihnen hängen finanziell vom Partner ab. Nicht selten ist diese Abhängigkeit der Grund für die Frauen, die Beziehung überhaupt aufrechtzuerhalten, gleichwohl die Partner sich längst auseinandergelebt haben.

Was bringt es einer Frau, finanziell unabhängig zu sein?

Die Freiheit, sich das Leben so zu gestalten, wie sie es leben möchte. Und zwar ab sofort!

Was ist für den Freischwimmer in Finanzen zu tun?

Weil die Altersarmut hierzulande weiblich ist – Frauen bekommen rund 60 Prozent weniger Rente als Männer (sogenannter Gender Pension Gap); drei von vier der heute 30- bis 55-jährigen Frauen droht eine Rente unter Hartz-4-Niveau – ist das Wichtigste, dass Frauen sich um ihre sogenannte Rentenlücke kümmern. Und die ist da, auch wenn sie bei der einen Frau größer und bei der anderen kleiner ausfällt. Diejenige, die glaubt, das Thema beträfe sie nicht, sollte schleunigst nachrechnen!

Was können Frauen tun, um ihre Rentenlücke zu füllen?

Dafür sind nur drei Schritte nötig:

  1. Kassensturz machen!

Wie hoch sind die Einnahmen, wie hoch die Ausgaben? Was gibt es an Vermögen? Damit hat die Frau ihr IST (Habenseite) ermittelt.

  • Finanzielles Ziel formulieren!

Hier muss die Rentenlücke berechnet werden! Die stellt das SOLL, also die Habenwollenseite dar.

  •  Weg(e) finden, um die Rentenlücke zu stopfen – und schnellstmöglich losgehen!

Je eher die vielen finanziell abhängigen Frauen sich freischwimmen, desto besser. Denn jeder Tag bringt sie dem staatlich verordneten Renteneintritt mit 67 Jahren näher. Es gilt: Je früher die Frau die Verantwortung für ihre finanzielle Unabhängigkeit – und wegen der hohen Priorität das Füllen ihrer Rentenlücke – übernimmt, desto mehr Zeit hat sie dafür. Mehr Zeit heißt: Die monatliche Belastung ist entsprechend kleiner. Ein guter Grund, sich 2022 finanziell freizuschwimmen, oder?

Was hat sich zum Füllen der Rentenlücke bewährt?

Investments in Aktien und ETF. Letzteres sind börsengehandelte Indexfonds. Aber bitte: Vergessen Sie Ihre Bankberater! Die bieten nur die hauseigenen Produkte an. Auch von sogenannten unabhängigen Finanzberatern, die ihre Dienste kostenlos anbieten, wird frau meist schlecht beraten, da auch diese über Provisionen an ihr verdienen wollen.

Das Beste – und hier spreche ich aus Erfahrung – ist es, sich die Fähigkeiten anzueignen, seine Finanzen eigenhändig zu managen.

Welches Wissen brauchen Frauen dafür?

Sie sollten ihre Finanzlage kennen. Und natürlich sollten sie verstehen, wie die von ihnen gewählten Investments funktionieren. Sie sollten auch das mit jedem Investment verbundene Risiko einschätzen und damit umgehen können. Dazu muss frau ihre eigene Risikobereitschaft kennen.

Was ist, wenn eine Frau Angst vor dem Risiko hat?

Angst ist generell ein schlechter Finanzberater, aber es gibt gute Trainings, mit der Angst fertig zu werden. Wir haben ja meist nur Angst, weil wir das Ungewisse und Unbekannte fürchten und uns ausmalen, was passieren könnte und was wir verlieren könnten. Wer ein fundiertes Wissen zu Finanzen und ihren Gesetzmäßigkeiten dagegensetzt, der bekommt seine Angst vor dem Risiko recht gut in den Griff.

Wo lernt eine Frau, wie sie sich finanziell unabhängig macht?

Für einen ersten Überblick zum Thema hat das Internet gute Adressen, darunter auch unsere madamemoneypenny.de. Zur Vertiefung und zum Entwickeln einer eigenen Strategie in die finanzielle Unabhängigkeit rate ich den Frauen ganz klar zu Finanzcoachings, denn nur, wenn sie sich das Finanzwissen aneignen, können sie ihre Finanzen in die eigene Hand nehmen. Alles andere wäre ja nur ein Verschieben der Verantwortung für die Finanzen vom Partner auf den Bank- oder Finanzberater.

Hat die Pandemie die finanzielle Lage der Frauen hierzulande verändert?

Ja. Denn die Pandemie hat uns eine wirtschaftliche und finanzielle Krise beschert. Menschen haben nur eingeschränkt arbeiten können, mache verloren ihren Job gar ganz. Frauen, die wegen des hierzulande noch immer herrschenden Gender Pay Gaps für den gleichen Job oft deutlich weniger verdienen als Männer, bekamen die finanziellen Folgen dessen hart zu spüren – on top auf ihre ohnehin schon Dreifachbelastung mit Job, Familie und Homeschooling. Vielen wurde ihre finanzielle Abhängigkeit vom Partner damit schmerzhaft vor Augen geführt. Das hat so manche Frau veranlasst, ihre finanzielle Situation zu verändern. Raus aus der Abhängigkeit, rein in die Freiheit!

Vielen Dank, Natascha Wegelin, für das befreiende Gespräch!

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Das Fondsstandortgesetz: Bringt es die erhofften Impulse?

Am 20. Januar hat die Bundesregierung den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des deutschen Fondsstandortes (FoG) verabschiedet. Das Gesetz dient der Umsetzung von EU-Vorgaben zum grenzüberschreitenden Vertrieb von Investmentfonds sowie der Verankerung europäischer ESG-Informationspflichten. Der Gesetzgeber hat diese Verpflichtung zum Anlass genommen, eine Reihe von weiteren Maßnahmen auf den Weg zu bringen, durch die der deutsche Fondsstandort gegenüber Standorten wie z. B. Luxemburg wettbewerbsfähiger gemacht werden soll.

Jochen Schenk

Vizepräsident des ZIA,
Vorstandsvorsitzender Real I.S. Group

Im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), dem Rahmenregelwerk für Auflage und Verwaltung von Investmentfonds, sollen durch gezielte Anpassungen Fondsstrukturierung, -dokumentation und Berichterstattung erleichtert werden. Daneben sollen Schriftformerfordernisse aufgehoben und perspektivisch auf die elek-tronische Kommunikation mit der BaFin umgestellt werden. All das lässt sich hören, wirklich interessant wird es allerdings erst bei den Fondsvehikeln. Der Gesetzgeber spricht von einer Erweiterung der Produktpalette und führt verschiedene neue Fondsvehikel ein, darunter das Infrastruktur-Sondervermögen, das zukünftig als offener Publikums-AIF aufgelegt werden kann. 

Geschlossene AIF, die in Immobilien und andere Sachwerte investieren, können bisher nur als Investmentkommanditgesellschaft (InvKG) oder Investmentaktiengesellschaft aufgelegt werden. Durch das FoG soll ihnen zukünftig auch das Sondervermögen und damit eine bis-her nur für offene AIF zugängliche Rechtsform zur Verfügung stehen. Die Einführung der neuen Rechtsform, die auf eine Idee des ZIA zurückgeht, darf als Paradigmenwechsel verstanden werden, wenngleich das geschlossene Sondervermögen im Regierungsentwurf bisher auf das Segment der Spezial-AIF beschränkt bleibt. Mit Blick auf das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren sollte die neue Rechtsform auf geschlossene Publikums-AIF ausgedehnt werden. So benötigt der in den letzten Jahren stark rückläufige Markt (prospektiertes Fondsvolumen 2019 ca. 1,5 Mrd. Euro gegenüber knapp 10 Mrd. Euro 2012) dringend neue Impulse. Für den Retail-Bereich verspricht das Sondervermögen gegenüber dem KG-Modell Verschlankungen für Auflage, Verwaltung und Vertrieb und könnte zudem auch in Sachen Digitalisierung und Anlegerakzeptanz punkten. Dass Privat-anleger händeringend nach alternativen Anlagemöglichkeiten suchen, dürfte ohnehin für eine Erstreckung auf das Publikums-Segment sprechen.

Aber auch für den an institutionelle Anlegergruppen gerichteten Spezial-AIF dürfte das neue Vehikel ein Gewinn sein: So kann zukünf-tig die schlanke Rechtsform des Sondervermögens mit den liberalen Produktregelungen des geschlossenen Spezial-AIF kombiniert werden. Um das Produkt attraktiv zu machen, bedarf es allerdings noch Anpassungen im Investmentsteuerrecht, durch die die steuerliche Transparenz wie für offene Spezial-AIF möglich wird. Auch hieran sollte im weiteren Gesetzgebungsverfahren unbedingt gearbeitet werden.

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