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Ein Beruf wie jeder andere? Zum Selbstverständnis des Pflegeberufs

Eigentlich nicht überraschend: Fragt man die Pflegenden selbst und nicht irgendwelche Lobbyisten, dann zeigt sich, wie sehr sie sich mit ihrem Beruf identifizieren und wie stolz sie auf ihre Arbeit sind – zu Recht.

Die befragten Pflegekräfte identifizierten fünf Themenbereiche als die positiven Seiten ihres Berufs:

Die Inhalte ihrer Arbeit stehen für Pflegekräfte an erster Stelle. Das sind vor allem naturwissenschaftliches Wissen über den menschlichen Körper sowie medizinisches Wissen über Krankheiten, deren Behandlung und über Medikamente. Dazu kommt die konkrete Umsetzung im Alltag.

„Jeder Tag ist anders“, war eine häufige Aussage. Pflegekräfte sind stolz darauf, sich täglich auf neue Situationen einstellen zu können. Sie sehen sich vielfach als Krisenmanager und Organisationstalente. Allen gemeinsam ist das Bewusstsein, eine hohe Verantwortung für das Wohlergehen von Menschen zu tragen. Und sie sind stolz, mit ihrem Wissen dieser Verantwortung gerecht werden zu können.

Pflegekräfte sind Teamarbeiter.

Der zweite Punkt, der Pflegende an ihrem Beruf begeistert, sind die vielfältigen Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Pflegeberuf, sowohl bei den Gesundheits- und Krankenpflegern als auch bei den Altenpflegern.

Der dritte Themenbereich ist die Krisenresistenz des Pflegeberufs. Zum einen gibt die Demografie vor, dass auch in Zukunft qualifiziertes Pflegepersonal gebraucht wird. Zum anderen sind die Kernkompetenzen des Berufs nicht solchen Schwankungen unterworfen wie in anderen Berufen. Zwar entwickeln sich auch die pflegerelevanten Kenntnisse weiter und benötigen ständige Weiterqualifikation beziehungsweise Wissenserhalt, diese lassen sich jedoch vielfach auch berufsbegleitend erwerben.

Pflegekräfte sind Teamarbeiter. Sie sind sich bewusst, dass ihre Arbeit eine Gemeinschaftsleistung ist und sie haben Freude daran, wenn alle Berufsgruppen miteinander arbeiten und zur Genesung der Patienten oder in der Altenpflege zur Lebensqualität der Bewohner beitragen.

Der fünfte Punkt schließlich umfasst die menschlichen Erfahrungen der Nähe, der Wertschätzung, des Für-andere-Daseins. Das ist nicht jedermanns Sache. Aber Pflegende, die sich bewusst für ihren Beruf entscheiden, wissen diese besondere Qualität zu schätzen.

So lange in der Öffentlichkeit eine negative Darstellung des Pflegeberufs überbetont wird, ohne die wirklich positiven Seiten zu beschreiben, muss man sich nicht wundern, wenn junge Menschen abgeschreckt werden, diesen Beruf zu ergreifen. Unsere Umfrage zeigte ein ganz anderes Bild: Der Pflegeberuf ist eine selbstständige Profession, die in vielen Bereichen unabhängig von Medizinern tätig ist und Entscheidungen trifft.

Alle Befragten einte die Freude an ihrem Beruf. Sie sind sich bewusst, dass die Pflege Kranker einer uralten Tradition folgt und essenziell für die Gemeinschaftskultur einer jeden Gesellschaft ist. Darüber hinaus war die Krankenpflege einer der ersten und für lange Zeit nahezu der einzige Beruf, mit dem Frauen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen konnten und der sie von Männern unabhängig machte, häufig innerhalb von christlichen Gemeinschaften. Nach wie vor hat die Pflegetätigkeit ihre Einzigartigkeit, ihre Tradition, ihr Wissen und ihr Selbstbewusstsein. Und das soll sie sich bewahren – wie jeder andere Beruf.

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