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Karriere in MINT

Schluss mit dem Klischee: Informatik kennt kein Geschlecht

Fotos: Sapna Richter

Annahita Esmailzadeh spricht über ihren Weg in die IT, die Bedeutung von strategischem Denken und warum technisches Verständnis keine Frage des Geschlechts ist.

Annahita Esmailzadeh

Tech-Leaderin, Bestseller-Autorin & Speakerin

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Woher und wann kam dein Interesse für Informatik?

Offen gesagt entschied ich mich nicht aus persönlicher Neigung, sondern eher aus Vernunftsgründen für mein Studium. Als Kind iranischer Einwanderer, die immer sehr hart arbeiten mussten, hatte ich schon von klein auf ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach finanzieller Absicherung und Sicherheit. Ich googelte nach dem Abitur also schlichtweg nach dem Studium mit den besten Job- und Gehaltschancen – und heraus kam Wirtschaftsinformatik.

Wenige Wochen später saß ich in meiner ersten Softwareentwicklungsvorlesung, ohne vorher auch nur eine Zeile Code in meinem Leben geschrieben zu haben. Zu meiner eigenen großen Überraschung fand ich aber sehr schnell Freude an dem Studium und auch an der Branche, die mich bis heute begleitet.

Wie hat sich dein Ausbildungsweg im IT-Bereich gestaltet?

Ich habe meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt IT-Sicherheit und meinen Master in Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt Big Data und Large-Scale-Systeme gemacht. Mein Studium bestand zu etwa 80 Prozent aus Informatik und zu 20 Prozent aus BWL.

Mein Weg führte mich direkt in die IT-Prozessberatung bei SAP. Von dort ging es in die Führung – zunächst als Projektleiterin großer SAP-ERP-Implementierungsprojekte, später als Head of Innovation bei SAP in München. Danach war ich Head of Customer Success Account Management bei Microsoft und heute arbeite ich als Führungskraft bei ServiceNow im Aftersales.

Was macht dir am meisten Spaß an IT – und welchen Tipp würdest du anderen geben?

Mich begeistert, dass Technologie nie isoliert funktioniert. Sie beeinflusst Prozesse, Entscheidungsstrukturen und letztlich Wettbewerbsfähigkeit.

Mein Tipp wäre:

Beschäftigt euch nicht nur mit Technik, sondern mit Kontext. Wer versteht, wie Technologie Geschäftsmodelle verändert, wird immer relevanter sein als jemand, der nur einzelne Systeme bedienen kann.

Welche technischen Kompetenzen sind heute besonders gefragt – wo siehst du großes Potenzial?

Mit der breiten Einführung generativer KI verschiebt sich der Bedarf zusätzlich in Richtung Datenqualität, Modellverständnis und verantwortungsvoller Implementierung. Es reicht nicht, KI anzuwenden – man muss ihre Grenzen, Risiken und regulatorischen Rahmenbedingungen verstehen.

Großes Potenzial sehe ich in der Verbindung aus technischer Tiefe und strategischem Denken. Technologie wird komplexer – entsprechend gefragt sind Menschen, die Komplexität strukturieren können.

Welches Vorurteil über Frauen in der IT-Branche nervt dich am meisten?

Die implizite Annahme, Frauen seien weniger technisch oder primär für kommunikative oder soziale Rollen geeignet. Diese Erwartung ist selten offen ausgesprochen, aber sie beeinflusst Wahrnehmung und Bewertung von Talenten.

Technisches Verständnis ist allerdings nicht geschlechterspezifisch – dass wir heutzutage so wenige Frauen im Tech-Bereich vorfinden, hat sehr viel mit gesellschaftlicher Prägung und Sozialisierung zu tun.

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