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KI KANN MEHR ALS EFFIZIENZ:TECH INFLUENCERIN LARA SOPHIE BOTHUR IM INTERVIEW

Foto: Julia Tiemann

Vom AI Strategist bis zum Prompt Engineer: Mit der zunehmenden Verbreitung von KI entstehen nicht nur neue Technologien, sondern auch neue Rollen und Kompetenzen. Lara Sophie Bothur erklärt, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden auf diesen Wandel vorbereiten können und warum gerade der Mittelstand gute Voraussetzungen dafür mitbringt.

Lara Sophie Bothur

Global Tech Influencer & Corporate Storyteller

Liebe Lara, deine Mission ist es, komplexe Technologien verständlich zu machen. Warum ist das Thema KI gerade für kleinere und mittlere Unternehmen häufig noch eine Hürde?

Ich habe das Gefühl, dass gerade der Mittelstand beim Thema KI stark aufwacht. Ein gutes Beispiel ist z. B. die vermehrte Bereitschaft der Einführung der Rolle des AI Strategist – eine Person, an die sich Mitarbeitende mit konkreten Ineffizienzen wenden können, und gemeinsam wird geprüft, wie sich Prozesse mithilfe von KI optimieren lassen.

In welchen Unternehmensbereichen können KI-Anwendungen besonders schnell einen konkreten und messbaren Mehrwert schaffen?

Das lässt sich nicht auf einzelne Bereiche reduzieren. Ich denke eher in „Future Places“ – etwa dem Krankenhaus, der Fabrik oder dem Office der Zukunft. Dort greifen verschiedene Technologien wie KI, Robotics, Daten oder Energiemanagement ineinander. Gerade im Gesundheitswesen sehe ich enormes Potenzial. KI kann beispielsweise bei der Erkennung von Tumoren große Mengen an Bilddaten analysieren, die ein Mensch in seinem gesamten Berufsleben niemals sehen könnte. Trotzdem sollte die finale Entscheidung immer beim Menschen bleiben. Wir brauchen weiterhin einen Human in the Loop.

KI kann uns unterstützen, aber wir sollten ihre Ergebnisse überprüfen und nachvollziehen können. Entscheidend ist deshalb: Welche Aufgaben übernimmt künftig die Technologie – und wo bleibt die Verantwortung beim Menschen?

ÄNGSTE
ENTSTEHEN
HÄUFIG DURCH
FEHLENDES
VERSTÄNDNIS.

Wenn ein Unternehmen, das bisher noch gar nicht mit KI in Berührung gekommen ist, damit aber starten möchte, sich fragt, wo man denn am besten ansetzen soll: wo wäre das?

Ich würde ganz am Anfang bei den eigenen Mitarbeitenden und den täglichen Prozessen ansetzen. Ein gemeinsamer Workshop kann helfen, ehrlich zu hinterfragen: Was läuft im Arbeitsalltag noch nicht rund? Wo verschwenden wir Zeit? Welche Aufgaben wiederholen sich ständig? Gerade der deutsche Mittelstand hat hier enormes Potenzial, weil er über sehr viel spezifisches Branchen- und Prozesswissen verfügt. Danach sollte man überlegen, welche KI-Lösungen dafür geeignet sind und wer deren Einsatz koordiniert.

Dafür braucht es nicht zwingend ein neues Team. Bestehende Mitarbeitende können weitergebildet und zu KI-Verantwortlichen werden – sie kennen die eigenen Prozesse schließlich am besten. Wir werden zunehmend zu Managern unserer Technologien, und dadurch verändern sich auch Berufsbilder. Der Job verschwindet nicht unbedingt, sondern entwickelt sich weiter. Dafür müssen Unternehmen und Mitarbeitende offen sein.

Welche Rolle spielen die Mitarbeitenden bei der Einführung neuer Technologien, und wie können Unternehmen mögliche Ängste oder Vorbehalte im Team abbauen?

Ängste entstehen häufig durch fehlendes Verständnis. Deshalb sind Aufklärung und Weiterbildung entscheidend. Unternehmen müssen ehrlich mit ihren Mitarbeitenden darüber sprechen, wie sich die Arbeitswelt verändert und welche Kompetenzen künftig benötigt werden.

ICH KENNE KAUM
EIN ANDERES LAND
MIT EINEM VERGLEICHBAR
STARKEN
MITTELSTAND WIE
DEUTSCHLAND. (…)
GENAU DARIN LIEGT
UNSERE STÄRKE.

KI-Kompetenz ist längst kein „Nice-to-have“ mehr. Auch der EU AI Act stärkt die Bedeutung von AI Literacy, also der Fähigkeit, KI-Systeme kompetent und verantwortungsvoll einzusetzen. Dabei entstehen auch neue Rollen – etwa AI Strategists, Chief AI Officers, Tech Translator oder Prompt Engineers. Bestehende Mitarbeitende können dafür weiterentwickelt und ihre Kompetenzen erweitert werden. Das schafft nicht nur Know-how, sondern auch neue Karrierewege.

Welche typischen Missverständnisse rund um KI begegnen dir im Gespräch mit Entscheidern selbst am häufigsten in deiner Arbeit?

Ein häufiges Missverständnis ist, dass es ausreicht, eine KI-Technologie zu kaufen und damit sei das Thema erledigt. Tatsächlich geht es um einen kulturellen Wandel im Unternehmen. Dafür braucht es zunächst Ehrlichkeit – auch gegenüber sich selbst.

Man kann als Führungskraft durchaus sagen: „Ich weiß noch nicht, wie wir KI bei uns sinnvoll implementieren.“ Das ist ein guter Ausgangspunkt, um gemeinsam herauszufinden, was die Technologie für das eigene Unternehmen bedeutet. Entscheidend ist, dass alle gemeinsam lernen und den Wandel gestalten.

Du setzt dich auch für Europas Sichtbarkeit im globalen Technologiewettbewerb ein. Welche Chancen hat gerade der deutsche Mittelstand dabei, die du oft als unterschätzt siehst?

Ich kenne kaum ein anderes Land mit einem vergleichbar starken Mittelstand wie Deutschland. Viele dieser familiengeführten Unternehmen verfügen über jahrzehntelanges oder sogar jahrhundertelanges Wissen und eine enorme industrielle Kompetenz. Genau darin liegt unsere Stärke. Wir haben außerdem eine starke Forschungslandschaft und ein gewachsenes Wertesystem. Gerade im Zeitalter der KI wird die Frage, was Menschlichkeit und verantwortungsvoller Technologieeinsatz bedeuten, immer wichtiger. Unsere große Chance liegt deshalb nicht nur in der Entwicklung neuer Technologien, sondern vor allem in ihrer erfolgreichen Implementierung. Und genau dafür bringt Deutschland sehr viel industrielles Know-how mit.

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