Digitale Technologien sind längst ein wichtiger Erfolgsfaktor für den Mittelstand. Patrick Schönowski vom Deutschen Mittelstands-Bund (DMB) erklärt, worauf KMU bei Digitalisierung, Cybersicherheit, Cloudlösungen und Datenmanagement achten sollten.

Patrick Schönowski
Referent Digitalpolitik
beim Deutschen Mittelstands-Bund (DMB)
Viele KMU möchten ihre Digitalisierung vorantreiben, wissen aber nicht, wo sie beginnen sollen. Welche technologischen Grundlagen sollten Unternehmen zuerst schaffen, um ihre Prozesse effizient und zukunftsfähig aufzustellen?
Digitale Kommunikationskanäle wie Social Media oder eine moderne Unternehmenswebsite gehören heute zur Grundausstattung, wenn man mit der Digitalisierung anfangen will. Aber wenn Unternehmen ihre Digitalisierung vorantreiben wollen, darf dies kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, zunächst die eigenen Ziele klar zu definieren: Geht es z. B. darum, auf Basis vorhandener Daten zielgruppenorientierter zu agieren, sind Datenmanagementsysteme gefragt. Darüber hinaus können KI-Agenten bei der Kundenakquise unterstützen, indem sie bestehende Datensätze analysieren.
Als technologisches Fundament sollten Betriebe primär auf IT-Systeme setzen, an die sich neue Werkzeuge und Software-Tools nahtlos anbinden lassen. Von Beginn an sollte der Cybersicherheitsschutz mitgedacht werden, denn auch KMU geraten zunehmend ins Visier von Hackern.
Mit zunehmender Digitalisierung steigen auch die Anforderungen an Cybersicherheit und Datenschutz. Welche Risiken werden im Mittelstand noch unterschätzt und welche Maßnahmen sollten KMU priorisieren?
Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft wächst zugleich das Repertoire professioneller Cyberkrimineller. Namhafte Wirtschaftsvertreter warnen bereits eindringlich vor den akuten Gefahren moderner KI-Entwicklungen, wie zuletzt in einem offenen Brief. Große Konzerne haben die Gefahr also auf dem Schirm und ergreifen Maßnahmen. Damit erhöht sich für kleine Unternehmen das Risiko, ins Visier von Angreifern zu geraten. Diese Bedrohung wird im Mittelstand nach wie vor häufig unterschätzt, während die Politik ihr bisher nur selten mit wirksamen Maßnahmen entgegenwirkt.
KMU sollten daher dringend grundlegende technische Sicherheitsvorkehrungen konsequent umsetzen. Wir raten unseren Mitgliedsunternehmen beispielsweise, regelmäßige Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen für Beschäftigte durchzuführen. Ebenso tragen zuverlässige Backups geschäftskritischer Daten in festen Intervallen zur Sicherheit bei. Und nicht zuletzt lohnt es sich, einen strukturierten Notfallplan für Sicherheitsvorfälle in der Schublade zu haben.
WIR RATEN UNSEREN
MITGLIEDSUNTERNEHMEN
BEISPIELSWEISE,
REGELMÄSSIGE
SCHULUNGEN UND
SENSIBILISIERUNGSMASSNAHMEN
FÜR BESCHÄFTIGTE
DURCHZUFÜHREN.
Viele KMU möchten stärker auf Cloudlösungen setzen. Worauf sollten Unternehmen bei Sicherheit, Datenschutz und der Wahl eines geeigneten Anbieters besonders achten?
Immer wieder verlagern Unternehmen ihre Infrastruktur in die Cloud. Die Verantwortung für die eigenen Daten verbleibt jedoch stets beim Unternehmen selbst. Daher sollten Betriebe konsequent auf europäische Datenschutzstandards mit Serverstandorten in der EU achten und betriebsrelevante Anforderungen, wie etwa ein verlässliches Backup-Konzept, bei der Anbieterwahl berücksichtigen.
Ebenso sind kurze Ausfallzeiten durch Wartungsarbeiten der betreibenden Rechenzentren miteinzuplanen. Das betrifft zwar in der Regel nur wenige Stunden pro Jahr, doch auch in dieser Zeit muss die Geschäftsfähigkeit gewährleistet sein.
Eine gute Datenbasis wird für digitale Prozesse immer wichtiger. Wo sehen Sie beim Datenmanagement im Mittelstand aktuell die größten Herausforderungen und was sollten Unternehmen hier verbessern?
Daten sind das Fundament für effiziente Prozesse und moderne KI-Anwendungen. Die größte Herausforderung beim Management dieser Daten liegt darin, dass wertvolles Wissen oft nicht dokumentiert ist oder rein analog vorliegt, während einzelne Abteilungen in isolierten Datensilos arbeiten. Fehlende Daten zählen zu den größten Innovationsrisiken für Unternehmen.
Unser Risiko-Report Mittelstand 2026 zeigt: 15 Prozent der befragten Betriebe schätzten diesen Risikofaktor hoch oder sehr hoch ein. Um in dem Bereich resilienter zu werden, sollten Betriebe ihre Daten systematisch digitalisieren und bestehende Insellösungen über zentrale Schnittstellen verbinden. So können sie ein durchgängiges Datenmanagement gewährleisten.
Risiko-Report Mittelstand 2026
Der DMB Risiko-Report Mittelstand 2026 zeigt: Nicht ein einzelnes Problem setzt Unternehmen unter Druck, sondern das Zusammenspiel vieler Risiken gleichzeitig. Steigende Kosten, Fachkräftemangel, Regulierung, Nachfolgefragen oder technologische Veränderungen beeinflussen Investitionen, Wachstum und Zukunftsentscheidungen. Der DMB beschäftigt sich umfassend mit diesen Themen. Der DMB benennt die Risiken und gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern, Expertinnen und Experten sowie in den impact NETZWERKEN entwickelt er konkrete Lösungsansätze für die Herausforderungen von heute und morgen.

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Weitere Informationen unter www.mittelstandsbund.de



