Autorin, Dozentin & Business Creator Kira Marie Cremer spricht im Interview über Themen rund um New Work und die Trends von morgen.

Kira Marie Cremer
Kira Marie Cremer ist Autorin des Buchs „New Work – Wie arbeiten wir in Zukunft?“, Dozentin für „Future of Work & Organizational Psychology“ und Host des Podcasts „hotline hours“. In ihrem wöchentlichen Newsletter „What the Work?!“ beleuchtet sie Karriere-Tipps, Best Practices und Trends rund um New Work und sie setzt sich als Business Creator dafür ein, dass Unternehmen eine Arbeitswelt schaffen, in der Mitarbeitende nicht nur mitmachen – sondern mitgestalten.
(Foto: Maja Lossau)
Du beschäftigst dich viel damit, wie Unternehmen Talente gewinnen und halten – welche kleinen Veränderungen im Personalmanagement können deiner Erfahrung nach einen großen Unterschied für Mitarbeiterzufriedenheit machen?
Viele Unternehmen suchen nach der großen HR-Innovation, dabei liegt die Kraft schon im Kleinen. Wenn Führungskräfte wirklich zuhören, statt nur Feedbackrunden abzuhaken, wenn Entscheidungen transparent gemacht und Verantwortung geteilt wird, entsteht bereits Zufriedenheit. Es braucht keine Feelgood-Manager, sondern echtes Vertrauen durch psychologische Sicherheit. Mitarbeitende wollen kein Wellnessprogramm, sondern Wirksamkeit. Wenn Menschen so arbeiten dürfen, wie sie möchten und ihren Arbeitsalltag mitgestalten können, steigt allein dadurch ihre Produktivität und gleichzeitig auch ihre Zufriedenheit exponentiell – ganz ohne neue Tools oder fancy New-Work-Begriffe.
In der Arbeitswelt von morgen ist viel Flexibilität gefragt. Wie können HR-Teams sicherstellen, dass Mitarbeiter trotz neuer Strukturen Orientierung und Entwicklungsmöglichkeiten haben?
Flexibilität bedeutet nicht Beliebigkeit. In Zukunft wird es entscheidend sein, Orientierung nicht mehr über Prozesse, sondern über Sinn und Kommunikation zu schaffen. Wer das „Warum“ kennt, ist automatisch motivierter und braucht weniger Kontrolle. Entwicklung entsteht, wenn Menschen selbst gestalten dürfen. Dafür müssen Unternehmen weniger steuern und mehr ermöglichen – etwa durch Job Crafting und selbstbestimmtes Lernen.
Welche Strategien haben sich bewährt, um Diversität und faire Chancen in Unternehmen zu fördern, ohne dass es nach reiner Compliance aussieht?
Diversität ist kein KPI-Thema. Geht es nur noch um Quoten und Zahlen, ist das Ziel längst verfehlt. Vielfalt entsteht dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven wirklich gehört werden. Das gelingt, wenn Führungskräfte nicht nach kulturellem Fit, sondern nach kultureller Ergänzung suchen. Also: Wer erweitert unser Denken? Wer bringt das Team aufs nächste Level? Wer zeigt uns neue Sichtweisen?
Fairness bedeutet, individuelle Unterschiede anzuerkennen.
Wenn du CEOs und HR-Verantwortlichen einen Rat geben könntest, um New Work wirklich greifbar und spürbar für Mitarbeitende zu machen – welcher wäre das?
Hört auf, über New Work zu reden, und fangt an, Real Work zu leben. Wir haben uns in Buzzwords verloren und werfen mit Begriffen wie Purpose, Agilität und Work-Life-Balance um uns. Dabei sollte es um Haltung gehen und nicht um die Frage: „Wie viele Tage Homeoffice bieten wir an?“. Der Fokus muss darauf liegen, Bedingungen zu schaffen, in denen Menschen ihr Potenzial wirklich entfalten können. New Work ist kein HR-Projekt, sondern eine Führungsaufgabe, die alle Abteilungen einer Organisation betrifft.
Kira, du bist ja zurzeit auf Weltreise – wie beeinflusst das deinen Arbeitsalltag und was hast du dadurch Neues gelernt? Was war bisher dein größtes Learning?
Ich arbeite gerade von unterwegs, lerne neue Arbeitskulturen kennen und nehme meine Community jede Woche in meinem Newsletter sowie bei Instagram und LinkedIn mit auf diese Reise. Mein Learning: Wenn man etwas wirklich will, findet man Wege. So habe ich aufgrund der Zeitverschiebung einen Vortrag um 4:30 Uhr von Hawaii gehalten und natürlich war ich angespannt, ob alles funktioniert. Dank meines Hotspots, weil das WLAN zu schlecht war, hat alles reibungslos geklappt. Außerdem habe ich gelernt, dass meine Arbeit heute mehr Struktur braucht als je zuvor, während gleichzeitig vieles weniger wichtig geworden ist.
Diese sechs Monate kommen nie zurück und genau das lehrt mich, bewusster zu arbeiten, zu leben und vor allem zu genießen.
Mit dem Podcast New Work Now hast du in den letzten Jahren viele zum Umdenken bewegt. Jetzt hast du ihn bewusst beendet und gemeinsam mit Selma Sadikovic deinen neuen Community-Podcast hotline hours gestartet. Woher kam der Impuls und worauf dürfen wir uns freuen?
New Work war meiner Meinung nach auserzählt. Unternehmen sehen es aktuell oft als Luxus, dabei ist es essenziell für die Zukunft. Ich wollte den Fokus verändern – weg von Konzepten für Organisationen, hin zu den Menschen selbst. hotline hours ist ein ehrlicher, humorvoller und nahbarer Podcast über Karrierefragen, Business-Insights und die ganz realen Pains des Joballtags. Wir beantworten echte Fragen unserer Community, weil uns oft dieselben Themen beschäftigen, aber kaum jemand offen darüber spricht.
Es ist Zeit, Lösungen im Kollektiv zu finden, statt nur Erfolgsgeschichten zu erzählen.



