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THE FUTURE OF WORK

Die Zukunft der Arbeit hat begonnen

Foto: Gorodenkoff via Shutterstock

Schneller als erwartet setzen sich neue Arbeitskonzepte durch – beschleunigt durch die Erfordernisse der Corona-Pandemie. Mit der einhergehenden Digitalisierung verbinden die Menschen vor allem viele Vorteile.

Lucia Falkenberg

Leiterin Kompetenzgruppe New Work und CPO im eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

Von einer Woche auf die andere waren im Frühjahr 2020 bewährte Arbeitsstrukturen nicht mehr nutzbar. Großraumbüros, Präsenzmeetings und Dienstreisen wurden obsolet. In der Corona-Pandemie ermöglichten stattdessen Collaboration Tools und Digital Workplaces den technologischen Brückenschlag zwischen den Menschen im Homeoffice.

Vielerorts herrschte zunächst Skepsis. Sind Mitarbeiter überhaupt produktiv, wenn sie zuhause arbeiten? Die gesammelten Erfahrungen im New Normal zeigen eindeutig, die Sorgen waren unbegründet. Fast 75 Prozent der Beschäftigten verbinden mit der zunehmenden Digitalisierung ihres Berufsalltags Vorteile, beispielsweise die Steigerung der Arbeitseffizienz oder die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Viele sind zuhause auch motivierter. So das Ergebnis einer Umfrage des eco – Verbands der Internetwirtschaft e. V. in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey, an der sich 2.500 Menschen in Deutschland Mitte August 2020 beteiligten.

Wir sind flexibler geworden und arbeiten agiler

Weiterhin sparen wir Zeit und CO2, wenn wir auf Dienstreisen verzichten und weniger pendeln.   Bei all diesen Vorteilen dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass die Transformation der Arbeit im Rekordtempo uns auch viel abverlangt. Die Prozesse und die Kultur der Unternehmen passen sich vielerorts zurzeit noch an die neuen Gegebenheiten an. Die Abgrenzung von Privat- und Berufsleben ist im Homeoffice manchmal schwieriger, besonders wenn Aufgaben der Kinderbetreuung hinzukommen.

Viele Sorgen sind jedoch unbegründet, denn auch die Bewertung der Arbeit hat sich verändert. Was am Ende zählt ist das Ergebnis – nicht die Präsenszeit. Partizipative Führungsansätze sind gefragt. Digital Leader sind Coaches, die Mitarbeitern Entscheidungsfreiheiten einräumen.

Transformation im Rekordtempo

Gleichwohl bleibt noch viel zu tun: Beim schnellen Übergang zum mobilen Arbeiten haben viele Unternehmen IT-Sicherheitsaspekte zunächst zurückgestellt. Für die IT-Sicherheit im Home-Office und beim Schutz vor Phishing-Attacken ist der Sicherheitsfaktor Mensch jetzt gefragter denn je. Auch der Gesetzgeber ist gefordert. Noch stärker als bisher muss er daran arbeiten, den regulatorischen Rahmen an die aktuellen Entwicklungen anzupassen.

Wenn die Pandemie in einer hoffentlich baldigen Zukunft zu Ende ist, werden viele Errungenschaften bleiben. Wir werden mehr Freiheiten haben, beispielsweise zu wählen, ob wir lieber zuhause oder vor Ort im Unternehmen arbeiten möchten. Mit solchen hybriden Modellen gelingt die Work-Life-Balance immer besser für eine nachhaltig hohe Arbeitszufriedenheit. Unternehmen werden so die positiven Erfahrungen der letzten Monate auch in die Post-Corona-Zeit mitnehmen.

Sie möchten mehr erfahren?

Weitere Informationen finden Sie unter www.eco.de

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THE FUTURE OF WORK

War for Talents – Was von 2020 bleibt und wo es uns hinführt

Anna Ott

VP People bei HV Capital

Lucia hatte schon lange davon geträumt, ihre norditalienische Heimat zu verlassen, um Teil der vibrierenden Start-up-Szene Berlins zu werden. Sergej’s Familie in Kiev war stolz, dass ihr Sohn als Softwareentwickler richtig gutes Geld verdiente. Joanna war überglücklich ihren Berufseinstieg in einer jungen, aufstrebenden Tech Company zu finden.

Doch dieses Jahr waren alle irgendwie ernüchtert. Heimweh, Sorge um die Familie in der Ferne, genervt von der viel zu kleinen WG voller Fremder, alleine in der großen Stadt und nicht wissend, ob man Weihnachten nach Hause kommt. Den Traum der Start-up-Karriere haben sich viele junge Menschen in diesem Jahr anders vorgestellt. Unter den KollegInnen neue Freunde finden, eine neue Stadt oder Land für sich entdecken und dabei die Karriere vorantreiben, war alles so viel schwieriger in diesem Jahr.

Nicht selten haben wir in 2020 die jungen Leute für’s Partymachen trotz Corona und Leichtsinnigkeit kritisiert. Darum beneidet, dass sie nicht Homeschooling und Job kombinieren müssen. Und dabei übersehen, dass die Pandemie Parität geschaffen hat und jede und jeder unter Isolation leidet. Ich persönlich hätte die Quarantäne in keiner meiner WGs gerne erlebt. Bin bedrückt, wenn ich höre, dass MitarbeiterInnen aus Platzgründen in Badezimmern an Videocalls teilnehmen. Kann nur ahnen, wie schwierig es ist, als junge Führungskraft die ersten Schritte als Manager in Krisenzeiten virtuell zu erproben. Vom Heimweh nach FreundInnen und Familie im kalten deutschen Winter mal abgesehen.

Dieses Jahr steckt uns allen in den Knochen. Und gerade deswegen haben einige Personalverantwortliche und Führungskräfte in diesem Jahr mehr als zuvor, ihre Verantwortung als Arbeitgeber neu wahrgenommen. Aus dem Stehgreif entstanden virtuelle Yoga-Sessions und Spieleabende, wurden Überraschungspakete mit Wintermützen und Vitaminen gepackt, und Verabredungen zum Spazierengehen getroffen. Wurde über Angebote für “Mental Health” diskutiert und MitarbeiterInnen großzügige Angebote für ortsunabhängiges Arbeiten gemacht.

Wir sind uns alle näher gekommen in diesem Jahr. Nicht nur, weil wir dank Videokonferenzen Einblick in Privaträume und Blicke hinter die professionelle Fassade unserer Chefs und KollegInnen erhielten. Sondern auch, weil wir uns als Mitglieder eines Teams einmal mehr die virtuelle Hand ausgestreckt haben.

Was davon bleibt, wenn wir wieder nebeneinander im Großraumbüro sitzen, weiß niemand. Doch im Kampf um Talente haben dieses Jahr einige Arbeitgeber Nähe und damit bestenfalls Bindung erzeugt. Und das ist genauso wichtig bei Start-ups wie im Mittelstand und Konzernen. Umso mehr dort, wo weniger wirtschaftliche Sicherheitsnetze, stabile Familienverbände oder Heimatnähe die Isolation auffangen können.

Ich bin in diesem Jahr dankbar für vieles geworden.

Aber vor allem für die einfallsreichen, warmherzigen PersonalerInnen und GründerInnen, mit denen ich arbeite, die dieses Jahr trotz wirtschaftlicher Krisen, unsicherer Zukunft und mit wenig Berufs- oder Führungserfahrung Menschlichkeit bewiesen haben.

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