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THE FUTURE OF WORK

Mentale Gesundheit bei der Arbeit

Foto: Unsplash, Vitaly Gariev

Interview mit Jonas Böhme, Geschäftsstellenleitung Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e. V.

Jonas Böhme

Geschäftsstellenleitung Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e. V.

Welche verschiedenen Facetten der mentalen Gesundheit sehen Sie als besonders wichtig für die Unternehmenskultur, und wie können Unternehmen sicherstellen, dass diese Aspekte aktiv gefördert werden?

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz umfasst weit mehr als die Abwesenheit psychischer Erkrankungen. Sie beschreibt einen Zustand, in dem Beschäftigte ihre kognitiven und emotionalen Fähigkeiten entfalten, Belastungen bewältigen und konstruktiv zum Unternehmenserfolg beitragen.
Aus Sicht des BBGM e. V. sind insbesondere folgende Facetten zentral:

  • Psychologische Sicherheit und wertschätzende Kommunikation

  • Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen

  • Individuelle Resilienzförderung auf Ebene der Führungskräfte und Mitarbeitenden

Die Förderung mentaler Gesundheit kann nur gelingen, wenn sie systematisch in Unternehmenskultur und Führungsgrundsätze integriert wird.

Inwieweit sehen Sie die Verantwortung für die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden als Teil der Führungsaufgabe? Welche konkreten Maßnahmen sollten Führungskräfte ergreifen, um eine gesunde Arbeitsumgebung zu fördern?

Führungskräfte tragen dabei eine Schlüsselrolle. Ihr Verhalten gilt als einer der stärksten Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit im Betrieb. Zentrale Aspekte einer gesundheitsgerechten Führung sind:

  • Vorbildfunktion: Führungskräfte sollten gesunde Selbstführung praktizieren, eigene Grenzen wahren, Pausen nehmen und offen über Belastungen sprechen.

  • Gesundheitsförderliches Führungsverhalten: Empathische Kommunikation, Wertschätzung, faire Aufgabenverteilung und konstruktives Feedback wirken psychischen Belastungen präventiv entgegen.

  • Früherkennung und Unterstützung: Führungskräfte sollten Anzeichen psychischer Überlastung erkennen und Unterstützungssysteme (z. B. BEM, interne Beratungsstellen) aktivieren.

  • Strukturelle Mitgestaltung: Eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung erfordert realistische Zielvereinbarungen und die Einbindung

Unternehmen können ihre Führungskräfte durch gezielte Schulungen, Coachings und Begleitung im Rahmen eines strukturierten Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) unterstützen und für die Bedeutung mentaler Gesundheit sensibilisieren.

Wie können Unternehmen die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden messen, und warum ist diese Messbarkeit aus Ihrer Sicht so wichtig für die nachhaltige Entwicklung einer gesunden Arbeitskultur?

Die Messbarkeit mentaler Gesundheit ist entscheidend, um Belastungen und Ressourcen systematisch zu erfassen, Entwicklungen sichtbar zu machen und die Wirksamkeit von Maßnahmen zu überprüfen. Aus Sicht des BBGM e. V. schafft sie wesentliche Mehrwerte:

  • Transparenz: Sie liefert objektivierbare Daten über psychische Belastungssituationen und Zufriedenheit der Beschäftigten.

  • Steuerbarkeit: Auf Basis valider Kennzahlen können Unternehmen gezielt intervenieren und Strategien evaluieren.

  • Nachhaltigkeit: Wiederkehrende Messungen fördern eine kontinuierliche Verbesserungskultur, helfen Frühindikatoren zu erkennen und ermöglichen präventives Handeln, etwa zur Vermeidung personeller Ausfälle oder zur gezielten Ressourcensteuerung.

So wird die strukturelle Verankerung gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen messbar unterstützt.

Welche Methoden und Tools halten Sie für sinnvoll, um die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz zu bewerten? Gibt es spezifische Ansätze, die Unternehmen dabei unterstützen, diese Aspekte nicht nur zu erkennen, sondern auch langfristig zu verbessern?

Die Erfassung mentaler Gesundheit hängt von der Zielsetzung ab, ob Belastungsfaktoren, Zufriedenheit oder Führungsverhalten untersucht werden sollen. Für erste Einblicke eignen sich Pulsbefragungen, also regelmäßige Kurzbefragungen zu Themen wie Arbeitszufriedenheit, Belastung oder Teamklima. Ergänzend sollten vorhandene Unternehmenskennzahlen (z. B. Fehlzeiten, Fluktuation, BEM-Fälle) analysiert werden. Qualitative Verfahren wie Interviews, Fokusgruppen oder Gesundheitszirkel helfen, Kontextfaktoren zu verstehen und passgenaue Maßnahmen abzuleiten. Entscheidend ist, dass die Datenerhebung der Anstoß eines strukturierten Prozesses (Ableitung von Maßnahmen, Kommunikation, Evaluation) ist.

Nur so lassen sich aus Daten echte Erkenntnisse gewinnen und nachhaltige Veränderungen im Sinne einer gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur initiieren.

Am 7. Mai 2026 laden der BBGM e. V. und der Sport-Gesundheitspark Berlin e. V. zum „Berliner Symposium 2026“ ein.

Für weitere Informationen besuchen Sie uns unter:

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