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Female Empowerment – Ein Trend, der bleiben muss

Foto: Mary Long via Shutterstock.com

Female Empowerment ist in Mode. Unter dem Hashtag #female-empowerment findet man alleine auf Instagram zweieinhalb Millionen Posts, und ich bin mir fast sicher, dass es mindestens ein H&M-T-Shirt mit dem Aufdruck in großen Lettern gibt.

Lana Wittig

Ist seit 2016 Teil von EDITION F. Seit Januar 2021 ist sie die Geschäftsführerin, die den modernen Feminismus auf die Agenda setzt.

Foto: Ana Torres

Das Problem mit modischen Dingen ist bekanntermaßen, dass sie irgendwann auch wieder aus der Mode kommen. Das sollte mit Female Empowerment nicht passieren. Denn hinter dem Begriff steckt so viel mehr als ein kurzer Trend. Dahinter steckt eine Bewegung, die für unsere Gesellschaft einen ungeheueren Mehrwert schafft: ein besseres Leben für alle nämlich.

Um Female Empowerment greifbarer zu machen, schaut man sich am besten einmal die Kehrseite an: Female Disempowerment, weibliche Entmachtung, über Jahrhunderte die gesellschaftliche Default-Einstellung, die Frauen strukturell klein hält, Gleichberechtigung unmöglich macht und Nährboden für Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen ist.

Female Empowerment ist begründet in allen feministischen Bewegungen, die dafür gesorgt haben, dass wir zum einen eine Sprache gefunden haben, um auf Missstände aufmerksam zu machen, seien es diskriminierende Arbeits- umstände oder sexualisierte Gewalt. In Ge- sprächen mit Frauen in meinem Umfeld habe ich festgestellt: Wir alle sind vereint in unseren Diskriminierungs- und Belästigungserfahrungen. Die Worte für diese Erfahrungen haben wir aber erst Jahre später gefunden. Für die Nachrufe auf der Straße von fremden Männern („Catcalling“) oder das despektierliche Erklären des eigenen Expertisengebiets von einem männlichen Kolle- gen („Mansplaining“) haben uns früher schlicht die Worte gefehlt. Wir haben es für „normal“ gehalten, für „nicht der Rede wert“.

Zum anderen haben uns Vorreiterinnen des Female Empowerment vorgelebt, wie wichtig es ist, uns in Kollektiven zusammenzufinden, Ban- den zu bilden und uns gegenseitig zu ermächtigen zu empowern.

Der Bruch mit dem Narrativ der konkurrieren- den Frauen ist eine zentrale Entwicklung im Female Empowerment. Denn „Zickenkriege“ liegen nicht in der Natur der Frau, sondern sind durch künstliche Verknappung der Plätze am Entscheider*innentisch entstanden. Diese Plätze sind auch heute nicht paritätisch besetzt, weder in der Politik noch in der Wirtschaft. Aber der Druck wird größer. Und das verdanken wir Female Empowerment.

EDITION F ist das digitale Zuhause für Frauen und ihre Freund*innen und begleitet seit der Gründung im Jahr 2014 aktiv den Weg zur gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Gleichberechtigung.

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„Man muss die jungen Frauen ermutigen“

Gisela Erler 

Gisela Erler setzt sich seit vielen Jahren für die Förderung von Frauen ein.

Familie und Beruf lassen sich miteinander vereinbaren – wenn es die entsprechenden Strukturen dafür gibt. Allerdings ist dies längst noch nicht überall der Fall. Die frauengeführte Gesellschaft pme Familienservice bietet seit 30 Jahren individuelle Konzepte an, die sowohl Unternehmen als auch ihre Beschäftigten entlasten und unterstützen. Wir haben mit Gründerin Gisela Erler gesprochen, wie dies gelingt und warum Womanomics – die gezielte Förderung von Frauen in Unternehmen – ein hochaktuelles Thema ist.

Frau Erler, was war der Anlass für Sie, den pme Familienservice zu gründen?

Auf einer Tagung wurde ich von BMW gefragt, ob ich eine Idee hätte, wie sie als Unternehmen Mitarbeiterinnen halten könnten. Zu der Zeit gab es in technischen Bereichen wenige Frauen. BMW hatte angefangen, Frauen und junge Mädchen als Azubis einzustellen; die verschwanden aber immer nach einer Weile, wenn sie eine Familie gründeten, weil es damals in Westdeutschland keine Krippen und kaum Betreuungsmöglichkeiten gab.

Als ich in den 1980er-Jahren mit meinen Kindern für einen Forschungsauftrag in den USA war, hatte ich erlebt, dass es Konzepte für Kinderbetreuung gibt, die funktionieren. Ich habe dann ein Konzept für eine Vermittlungsplattform von Betreuungsangeboten ausgearbeitet. Und das schlug ein. Es kamen mehr und mehr Unternehmen auf uns zu.

Warum ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie so wichtig – für Mütter und Väter, aber auch gesamtgesellschaftlich?

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen wir immer noch viel von Müttern bzw. von Frauen. Auch wenn Väter mehr und mehr involviert sind. Wenn Mitarbeitende ausfallen, ist das für Unternehmen teuer, es schafft aber auch Probleme bei den Beschäftigten, psychischer und finanzieller Natur.

Das Thema Vereinbarkeit spielt nicht nur für Eltern eine Rolle. Die eigenen Eltern sind vielleicht irgendwann pflegebedürftig. Dann sind auch hier Lösungen gefragt. Gerade Führungskräfte sind oft Mitte 30 oder älter, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Die Pflege der Eltern liegt dann zeitlich sehr nah an der Baby-Zeit.

Noch immer gibt es den Gender-Pay-Gap. Noch immer werden Frauen mit 30, 35 Jahren vielfach als „Risiko-Ressource“ eingestuft, weil sie schwanger werden könnten. Noch immer sind Alleinerziehende oft von Armut bedroht und noch immer stehen Frauen häufig in der zweiten Reihe, hinter ihren männlichen Kollegen. Wird sich das in naher Zukunft ändern?

Ein Hebel allein reicht nicht. Aber wir sehen, dass Firmen z. T. sehr entschlossen sind, die Blockade in puncto Einstellung und Entwicklung von Frauen zu durchbrechen. Manche Firmen setzen sich inzwischen für ein 50-Prozent-Ziel ein, in einem überschaubaren Zeitraum. Es ist noch immer nicht leicht, in allen Bereichen Frauen zu finden. Aber wer aktiv sucht, findet. Es ist eine Frage der Entschlossenheit. Als Stütze dafür sind feste Zahlenvorgaben oder Quoten wohl doch nötig.

Wie lässt sich die Situation von Frauen ändern?

Man muss die jungen Frauen ermutigen. Dazu braucht es nicht nur Vorbilder. Es braucht auch Führungskräfte, die ihnen etwas zutrauen. Auch das Sichtbar-Machen ist wichtig. Führungskräfte müssen lernen, damit umzugehen, dass Frauen sich weniger zeigen als Männer. Das Selbstvertrauen ist bei Männern oft größer. Ähnlich kompetente oder sogar kompetentere jüngere Frauen fallen durch das Raster, wenn man nicht ganz genau hinsieht und ihre Begabungen und Fähigkeiten erfasst.

Auf unserem Digitalevent „Womanomics: She.Changes.Future“ haben wir am 8. März verschiedene Redner:innen zu diesem Thema, unter anderem Dr. Auma Obama, die Schwester von Barack Obama.

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Warum ist es so wichtig, gezielt Frauen in Unternehmen zu fördern?

Sehen Sie zum Beispiel die Klimabewegung – die stärksten Köpfe zurzeit, das sind alles junge Frauen. Da ist so viel Energie! Es geht darum, in den Unternehmen die Lust zu wecken, mit jungen Frauen zu arbeiten und die Strukturen zu schaffen, sie zu gewinnen, zu entwickeln und diese Energie zu nutzen.

Welche Eigenschaften muss man aus Ihrer Sicht als weibliche Führungskraft haben, um erfolgreich zu sein? Was würden Sie weiblichen Führungskräften mit auf den Weg geben?

Mut zu haben und resilient zu sein. Nicht so viel Angst zu haben, mal zu scheitern. Manchmal geht es ein Stück seitwärts oder rückwärts. Sich immer wieder aufzurappeln, das ist wichtig.

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