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Frauen brauchen mehr Finanzkompetenz!

Margarethe Honisch hatte mit Finanzen einst wenig am Hut. Bis zur Rente war es noch lange hin und außerdem würde der Staat sie schon versorgen, dachte sie. Viele Frauen denken noch immer so. Margarethe nicht mehr. Sie erkannte, wie dramatisch es um ihre Altersvorsorge stand – und handelt dagegen an. Inzwischen ist sie eine medienbekannte Finanzexpertin, die insbesondere Frauen zu mehr Finanzkompetenz verhilft und ihnen zeigt, wie sie ihre Finanzen in die eigenen Hände nehmen können, um sich finanziell unabhängig abzusichern.

Wie steht’s um die Finanzlage der deutschen Frauen?

Leider nicht gut: Der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, beträgt hierzulande noch immer 18 Prozent1. Damit haben Frauen nicht nur weniger Einkommen. Sie erhalten auch weniger Rentenpunkte als Männer. Die durchschnittliche Rente liegt für Frauen daher bei nur 728 Euro, das sind 50 Euro unter der aktuellen Armutsgrenze2. Und auch die finanzielle Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern ist groß: 72 Prozent aller Frauen hierzulande sagen, dass sie nach Tod des oder Scheidung vom Mann eine böse finanzielle Überraschung erleben würden. Der Ehemann ist nun mal keine sichere Altersvorsorge! Altersarmut trifft in Deutschland vor allem Frauen.

Kümmern sich die Frauen ausreichend um ihre Finanzen?

Nein. Viele Frauen sind sich der Armut, die sie höchstwahrscheinlich im Alter erwartet, noch nicht einmal bewusst. Zwar ist der Begriff Rentenlücke allgegenwärtig, aber dass er bedeutet, dass Frauen, die nicht privat vorsorgen, mit ihrer kleinen Rente ihren gewohnten Lebensstandard kaum werden halten können, wissen die wenigsten. Hinzu kommt, dass Frauen hierzulande das Thema Finanzen noch immer als eins für Männer ansehen. Diese Einstellung sitzt tief. Sie gründet auf dem altmodischen Rollenverständnis, dass der Mann das Geld nach Hause bringt und die Frau sich um Haus und Kinder kümmert. Ich berate auch immer wieder Frauen, die meinen, wenn sie dann endlich mal investieren, ihr Geld in die Kinder stecken zu müssen. Ich kann das gut verstehen, sie wollen das Beste für den Nachwuchs. Dabei vergessen sie aber, zuerst sich selbst finanziell abzusichern. Wenn ich diesen Frauen dann vorrechne, wie schnell sie im Alter ihren Kindern zu einer finanziellen Last werden können, denken sie um.

Wie bekommt frau ihre Finanzen in den Griff?

Viele setzen, auch das hat in Deutschland Tradition, aufs Sparbuch und wiegen sich damit in falscher Sicherheit. Denn wer das tut, der muss mit dem Wertverlust des Geldes rechnen, der pro Jahr bei zwei Prozent liegt. Der Effekt dieser Inflation ist über kurz nicht greifbar, über lang dagegen schon: Nach 20 Jahren bekommen Sie deutlich weniger Gegenwert in Waren für Ihr Geld als heute!

Wer sich Finanzwissen aneignet, öffnet sich viele Türen, um seine Finanzlage abzusichern und zu verbessern. Das Wissen ist für die Frauen griffbereit, entsprechende Lernangebote, wie unser Fortunalista Bootcamp, sind gefragt. Allerdings kommt es anschließend darauf an, das Erlernte auch anzuwenden. Und da beobachte ich noch immer ein Zögern bei vielen Frauen. Da klafft eine Lücke zwischen dem Wissen und Tun. Genau das machen wir im Bootcamp mit den Teilnehmerinnen und begleiten sie auch in der Umsetzung.

Ich rate jeder Frau, so schnell wie möglich die eigene Finanzlage zu prüfen. Fragen Sie sich: Was habe ich an Geld zur Verfügung? Woher kommt wie viel und wohin fließt wie viel ab? Wie viel Geld benötige ich im Alter? Wie groß ist meine Rentenlücke? Welche Beträge kann ich monatlich investieren, um die Lücke zu schließen? Und dann ist Handeln angesagt: Zehn Prozent des jeweiligen Einkommens, so die Faustregel, sollten mindestens in die Altersvorsorge gesteckt werden. Je älter frau ist, desto mehr ist nötig.

Margarethe, welche Tipps hast du für Frauen, um ihr finanzielles Selbstbewusstsein zu stärken?

Finanzkompetenz, also

  • das Finanzwissen,
  • die Fähigkeiten, die eigenen Finanzen zu händeln,
  • und das finanzielle Selbstbewusstsein,

kann jede Frau erwerben. Wer das wirklich will, der schafft das! Je nachdem, wie alt die Frau ist, gilt es, mehr oder weniger Zeit und/oder Geld zu investieren, um sich schlau zu machen. Suchen Sie den Austausch mit Gleichgesinnten, reden Sie über das Thema. Machen Sie Ihre Finanzen zu einem Lieblingsthema! Das hilft, Vorurteile und Hemmungen abzubauen, die bislang Ihre gestalterische Teilhabe an Ihrer Finanzlage bremsen.

Ganz wichtig ist mir aber auch, dass die Frauen nicht nur absichern, was sie jetzt an Vermögen haben, sondern auch sich selbst: Denn ein Unfall oder eine Erkrankung können einem selbst die sichersten Vorsorgepläne durchkreuzen. Es gilt daher, eine Haftpflichtversicherung und am besten auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Vielen Dank, Margarethe für diese Portion Finanzwissen!

Sie möchten mehr erfahren?


1 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/gender-pay-gap-kalifornien-101.html

2 https://fortunalista.de/

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„Man muss die jungen Frauen ermutigen“

Gisela Erler 

Gisela Erler setzt sich seit vielen Jahren für die Förderung von Frauen ein.

Familie und Beruf lassen sich miteinander vereinbaren – wenn es die entsprechenden Strukturen dafür gibt. Allerdings ist dies längst noch nicht überall der Fall. Die frauengeführte Gesellschaft pme Familienservice bietet seit 30 Jahren individuelle Konzepte an, die sowohl Unternehmen als auch ihre Beschäftigten entlasten und unterstützen. Wir haben mit Gründerin Gisela Erler gesprochen, wie dies gelingt und warum Womanomics – die gezielte Förderung von Frauen in Unternehmen – ein hochaktuelles Thema ist.

Frau Erler, was war der Anlass für Sie, den pme Familienservice zu gründen?

Auf einer Tagung wurde ich von BMW gefragt, ob ich eine Idee hätte, wie sie als Unternehmen Mitarbeiterinnen halten könnten. Zu der Zeit gab es in technischen Bereichen wenige Frauen. BMW hatte angefangen, Frauen und junge Mädchen als Azubis einzustellen; die verschwanden aber immer nach einer Weile, wenn sie eine Familie gründeten, weil es damals in Westdeutschland keine Krippen und kaum Betreuungsmöglichkeiten gab.

Als ich in den 1980er-Jahren mit meinen Kindern für einen Forschungsauftrag in den USA war, hatte ich erlebt, dass es Konzepte für Kinderbetreuung gibt, die funktionieren. Ich habe dann ein Konzept für eine Vermittlungsplattform von Betreuungsangeboten ausgearbeitet. Und das schlug ein. Es kamen mehr und mehr Unternehmen auf uns zu.

Warum ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie so wichtig – für Mütter und Väter, aber auch gesamtgesellschaftlich?

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen wir immer noch viel von Müttern bzw. von Frauen. Auch wenn Väter mehr und mehr involviert sind. Wenn Mitarbeitende ausfallen, ist das für Unternehmen teuer, es schafft aber auch Probleme bei den Beschäftigten, psychischer und finanzieller Natur.

Das Thema Vereinbarkeit spielt nicht nur für Eltern eine Rolle. Die eigenen Eltern sind vielleicht irgendwann pflegebedürftig. Dann sind auch hier Lösungen gefragt. Gerade Führungskräfte sind oft Mitte 30 oder älter, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Die Pflege der Eltern liegt dann zeitlich sehr nah an der Baby-Zeit.

Noch immer gibt es den Gender-Pay-Gap. Noch immer werden Frauen mit 30, 35 Jahren vielfach als „Risiko-Ressource“ eingestuft, weil sie schwanger werden könnten. Noch immer sind Alleinerziehende oft von Armut bedroht und noch immer stehen Frauen häufig in der zweiten Reihe, hinter ihren männlichen Kollegen. Wird sich das in naher Zukunft ändern?

Ein Hebel allein reicht nicht. Aber wir sehen, dass Firmen z. T. sehr entschlossen sind, die Blockade in puncto Einstellung und Entwicklung von Frauen zu durchbrechen. Manche Firmen setzen sich inzwischen für ein 50-Prozent-Ziel ein, in einem überschaubaren Zeitraum. Es ist noch immer nicht leicht, in allen Bereichen Frauen zu finden. Aber wer aktiv sucht, findet. Es ist eine Frage der Entschlossenheit. Als Stütze dafür sind feste Zahlenvorgaben oder Quoten wohl doch nötig.

Wie lässt sich die Situation von Frauen ändern?

Man muss die jungen Frauen ermutigen. Dazu braucht es nicht nur Vorbilder. Es braucht auch Führungskräfte, die ihnen etwas zutrauen. Auch das Sichtbar-Machen ist wichtig. Führungskräfte müssen lernen, damit umzugehen, dass Frauen sich weniger zeigen als Männer. Das Selbstvertrauen ist bei Männern oft größer. Ähnlich kompetente oder sogar kompetentere jüngere Frauen fallen durch das Raster, wenn man nicht ganz genau hinsieht und ihre Begabungen und Fähigkeiten erfasst.

Auf unserem Digitalevent „Womanomics: She.Changes.Future“ haben wir am 8. März verschiedene Redner:innen zu diesem Thema, unter anderem Dr. Auma Obama, die Schwester von Barack Obama.

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Warum ist es so wichtig, gezielt Frauen in Unternehmen zu fördern?

Sehen Sie zum Beispiel die Klimabewegung – die stärksten Köpfe zurzeit, das sind alles junge Frauen. Da ist so viel Energie! Es geht darum, in den Unternehmen die Lust zu wecken, mit jungen Frauen zu arbeiten und die Strukturen zu schaffen, sie zu gewinnen, zu entwickeln und diese Energie zu nutzen.

Welche Eigenschaften muss man aus Ihrer Sicht als weibliche Führungskraft haben, um erfolgreich zu sein? Was würden Sie weiblichen Führungskräften mit auf den Weg geben?

Mut zu haben und resilient zu sein. Nicht so viel Angst zu haben, mal zu scheitern. Manchmal geht es ein Stück seitwärts oder rückwärts. Sich immer wieder aufzurappeln, das ist wichtig.

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