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FEMALE EMPOWERMENT

GLEICHBERECHTIGUNG BEGINNT BEI DER BERUFSWAHL

Foto: Patrick Foto via Shutterstock.com

Kaum eine Lebensentscheidung wird so geprägt durch Klischees, Vorurteile, Rollen- und Vorbilder wie die Berufswahl. Die MINT-Berufe sind davon besonders betroffen. Ob Physik-Leistungskurs, Informatik-Studium, Mechatronik-Ausbildung – Frauen sind in der Unterzahl. Dies setzt sich in Leitungsebenen, Vorständen und Aufsichtsräten fort. Dabei eröffnen die MINT-Berufe Perspektiven in den begehrtesten und bestbezahlten Jobs der Welt!

Warum gelingt es nicht, diese Entwicklung zu brechen? Wir wissen: es liegt nicht an den schulischen Leistungen, nicht am fehlenden Ehrgeiz. Es liegt an einer wenig geschlechtersensiblen Berufsberatung und fehlenden Role-Models – und – was sehr entscheidend ist: jungen Frauen wird früh in ihrer Bildungskarriere vermittelt, bei der Berufswahl Vereinbarkeitskriterien zu berücksichtigen. Zudem spielt für viele Frauen die Sinnhaftigkeit ihrer späteren Tätigkeit eine große Rolle.

Hier wird das Potential der MINT-Berufe verkannt: so arbeitet kaum eine Branche flexibler, wie die Informatikbranche. Und was könnte es sinnstiftendes geben, als einen Job im Bereich der Klima- oder Antriebstechnik oder der Gesundheitsforschung? Frauen und junge Mädchen müssen zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Berufswahl darin bestärkt werden, auch andere Kriterien anzulegen. Neben Vereinbarkeit müssen Bezahlung, Aussicht auf Führungspositionen und Selbstverwirklichung Hauptkriterien werden.

Das Nationale MINT Forum setzt sich dafür ein, dass zukünftig deutlich mehr Mädchen und Frauen ihre berufliche Perspektive im MINT-Bereich sehen. Hierfür brauchen wir nicht nur die Politik. Auch LehrerInnen, ErzieherInnen und Eltern müssen daran mitwirken. Sie sollten dazu ermutigen, die Perspektive eines selbstbestimmten, unabhängigen Lebens in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen.

Edith Wolf

Co-Sprecherin des Nationalen MINT Forums und Vorständin der Vector-Stiftung

Foto: Vector Stiftung

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„Man muss die jungen Frauen ermutigen“

Gisela Erler 

Gisela Erler setzt sich seit vielen Jahren für die Förderung von Frauen ein.

Familie und Beruf lassen sich miteinander vereinbaren – wenn es die entsprechenden Strukturen dafür gibt. Allerdings ist dies längst noch nicht überall der Fall. Die frauengeführte Gesellschaft pme Familienservice bietet seit 30 Jahren individuelle Konzepte an, die sowohl Unternehmen als auch ihre Beschäftigten entlasten und unterstützen. Wir haben mit Gründerin Gisela Erler gesprochen, wie dies gelingt und warum Womanomics – die gezielte Förderung von Frauen in Unternehmen – ein hochaktuelles Thema ist.

Frau Erler, was war der Anlass für Sie, den pme Familienservice zu gründen?

Auf einer Tagung wurde ich von BMW gefragt, ob ich eine Idee hätte, wie sie als Unternehmen Mitarbeiterinnen halten könnten. Zu der Zeit gab es in technischen Bereichen wenige Frauen. BMW hatte angefangen, Frauen und junge Mädchen als Azubis einzustellen; die verschwanden aber immer nach einer Weile, wenn sie eine Familie gründeten, weil es damals in Westdeutschland keine Krippen und kaum Betreuungsmöglichkeiten gab.

Als ich in den 1980er-Jahren mit meinen Kindern für einen Forschungsauftrag in den USA war, hatte ich erlebt, dass es Konzepte für Kinderbetreuung gibt, die funktionieren. Ich habe dann ein Konzept für eine Vermittlungsplattform von Betreuungsangeboten ausgearbeitet. Und das schlug ein. Es kamen mehr und mehr Unternehmen auf uns zu.

Warum ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie so wichtig – für Mütter und Väter, aber auch gesamtgesellschaftlich?

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen wir immer noch viel von Müttern bzw. von Frauen. Auch wenn Väter mehr und mehr involviert sind. Wenn Mitarbeitende ausfallen, ist das für Unternehmen teuer, es schafft aber auch Probleme bei den Beschäftigten, psychischer und finanzieller Natur.

Das Thema Vereinbarkeit spielt nicht nur für Eltern eine Rolle. Die eigenen Eltern sind vielleicht irgendwann pflegebedürftig. Dann sind auch hier Lösungen gefragt. Gerade Führungskräfte sind oft Mitte 30 oder älter, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Die Pflege der Eltern liegt dann zeitlich sehr nah an der Baby-Zeit.

Noch immer gibt es den Gender-Pay-Gap. Noch immer werden Frauen mit 30, 35 Jahren vielfach als „Risiko-Ressource“ eingestuft, weil sie schwanger werden könnten. Noch immer sind Alleinerziehende oft von Armut bedroht und noch immer stehen Frauen häufig in der zweiten Reihe, hinter ihren männlichen Kollegen. Wird sich das in naher Zukunft ändern?

Ein Hebel allein reicht nicht. Aber wir sehen, dass Firmen z. T. sehr entschlossen sind, die Blockade in puncto Einstellung und Entwicklung von Frauen zu durchbrechen. Manche Firmen setzen sich inzwischen für ein 50-Prozent-Ziel ein, in einem überschaubaren Zeitraum. Es ist noch immer nicht leicht, in allen Bereichen Frauen zu finden. Aber wer aktiv sucht, findet. Es ist eine Frage der Entschlossenheit. Als Stütze dafür sind feste Zahlenvorgaben oder Quoten wohl doch nötig.

Wie lässt sich die Situation von Frauen ändern?

Man muss die jungen Frauen ermutigen. Dazu braucht es nicht nur Vorbilder. Es braucht auch Führungskräfte, die ihnen etwas zutrauen. Auch das Sichtbar-Machen ist wichtig. Führungskräfte müssen lernen, damit umzugehen, dass Frauen sich weniger zeigen als Männer. Das Selbstvertrauen ist bei Männern oft größer. Ähnlich kompetente oder sogar kompetentere jüngere Frauen fallen durch das Raster, wenn man nicht ganz genau hinsieht und ihre Begabungen und Fähigkeiten erfasst.

Auf unserem Digitalevent „Womanomics: She.Changes.Future“ haben wir am 8. März verschiedene Redner:innen zu diesem Thema, unter anderem Dr. Auma Obama, die Schwester von Barack Obama.

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Warum ist es so wichtig, gezielt Frauen in Unternehmen zu fördern?

Sehen Sie zum Beispiel die Klimabewegung – die stärksten Köpfe zurzeit, das sind alles junge Frauen. Da ist so viel Energie! Es geht darum, in den Unternehmen die Lust zu wecken, mit jungen Frauen zu arbeiten und die Strukturen zu schaffen, sie zu gewinnen, zu entwickeln und diese Energie zu nutzen.

Welche Eigenschaften muss man aus Ihrer Sicht als weibliche Führungskraft haben, um erfolgreich zu sein? Was würden Sie weiblichen Führungskräften mit auf den Weg geben?

Mut zu haben und resilient zu sein. Nicht so viel Angst zu haben, mal zu scheitern. Manchmal geht es ein Stück seitwärts oder rückwärts. Sich immer wieder aufzurappeln, das ist wichtig.

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