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Dynamische Zeiten für große Familienvermögen

Foto: Ghing von Shutterstock

Interview mit Dr. Patrick Zenz-Spitzweg, Geschäftsführer und Leiter Private Mandaten bei FERI. 

Dr Zenz

Dr. Patrick Zenz-Spitzweg 

Geschäftsführer und Leiter Private Mandaten bei FERI

Herr Dr. Zenz-Spitzweg, das Management und der Erhalt großer Familienvermögen sind mit einer Vielzahl von Herausforderungen verbunden. Was bedeutet das für die Beratung?

Bei der Beratung großer Familienvermögen spielen unterschiedliche Ebenen eine Rolle: die Wertvorstellungen der Familie, die Auswahl und das Management der Investments und nicht zuletzt die rechtlichen und steuerlichen Fragen in der Vermögensverwaltung. Hinzu kommt aktuell ein extrem dynamisches Umfeld mit Umwälzungen in vielen Bereichen – von der Umwelt über Politik und Gesellschaft, Technologie bis hin zum Finanzsystem. Dies alles führt dazu, dass die Beratung zukunftsorientiert und dabei an die mitunter sehr individuellen Bedürfnisse der Mandanten angepasst erfolgen muss. 

Was bedeutet diese Dynamik für wohlhabende Familien? 

Wir erwarten für die Dekade von 2020 bis 2030 ein Jahrzehnt massiver Beschleunigung, die sogenannte „Great Progression“. Mächtige Trends mit hohem disruptivem Potenzial verstärken sich gegenseitig und verändern nahezu sämtliche Lebens- und Wirkungsbereiche. Beispiele sind das steigende Risiko systemischer Inflation, der starke Einfluss des globalen Klimawandels auf zahlreiche Anlagesektoren sowie die rapide Durchdringung vieler Industrien mit neuen Technologien wie etwa Blockchain und Tokenisierung.

Wie können Investoren davon profitieren? 

Diese Trends werden spektakuläre Innovationen und unternehmerische Erfolge hervorbringen – und damit große Chancen für Anleger. Andererseits können scharfe Verwerfungen und Trendbrüche in etablierten Strukturen auch die Risiken erhöhen. Der Handlungs- und Entscheidungsdruck für Investoren nimmt insgesamt stark zu, schnelles Agieren wird elementar. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen und die strategische Vermögensallokation kritisch zu überprüfen. 

FERI ist seit mehr als 30 Jahren am Markt. Wie hat sich Ihre Zielgruppe verändert?

Bei vielen Unternehmerfamilien hat ein Generationswechsel stattgefunden, neben diesen Erben betreuen wir heute auch zahlreiche junge Gründer, die ihr Unternehmen beispielsweise erfolgreich verkauft haben. Diese Klientel hat unserer Erfahrung nach ein besonders starkes Interesse an Zukunftsthemen und legt gleichzeitig Wert darauf, mit ihrem Vermögen auch Gutes zu bewirken. Der gesamte Bereich der nachhaltigen Kapitalanlagen wird also immer wichtiger. Wir reagieren darauf, indem wir eine umfassende Beratung und die passende Anlagestrategie zur Verfügung stellen. Es gilt für jede Generation in Unternehmerfamilien der Grundsatz, einen Teil des Vermögens für die Familie im Hinblick auf Absicherung und Nachfolge zu verwalten.

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Das Fondsstandortgesetz: Bringt es die erhofften Impulse?

Am 20. Januar hat die Bundesregierung den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des deutschen Fondsstandortes (FoG) verabschiedet. Das Gesetz dient der Umsetzung von EU-Vorgaben zum grenzüberschreitenden Vertrieb von Investmentfonds sowie der Verankerung europäischer ESG-Informationspflichten. Der Gesetzgeber hat diese Verpflichtung zum Anlass genommen, eine Reihe von weiteren Maßnahmen auf den Weg zu bringen, durch die der deutsche Fondsstandort gegenüber Standorten wie z. B. Luxemburg wettbewerbsfähiger gemacht werden soll.

Jochen Schenk

Vizepräsident des ZIA,
Vorstandsvorsitzender Real I.S. Group

Im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), dem Rahmenregelwerk für Auflage und Verwaltung von Investmentfonds, sollen durch gezielte Anpassungen Fondsstrukturierung, -dokumentation und Berichterstattung erleichtert werden. Daneben sollen Schriftformerfordernisse aufgehoben und perspektivisch auf die elek-tronische Kommunikation mit der BaFin umgestellt werden. All das lässt sich hören, wirklich interessant wird es allerdings erst bei den Fondsvehikeln. Der Gesetzgeber spricht von einer Erweiterung der Produktpalette und führt verschiedene neue Fondsvehikel ein, darunter das Infrastruktur-Sondervermögen, das zukünftig als offener Publikums-AIF aufgelegt werden kann. 

Geschlossene AIF, die in Immobilien und andere Sachwerte investieren, können bisher nur als Investmentkommanditgesellschaft (InvKG) oder Investmentaktiengesellschaft aufgelegt werden. Durch das FoG soll ihnen zukünftig auch das Sondervermögen und damit eine bis-her nur für offene AIF zugängliche Rechtsform zur Verfügung stehen. Die Einführung der neuen Rechtsform, die auf eine Idee des ZIA zurückgeht, darf als Paradigmenwechsel verstanden werden, wenngleich das geschlossene Sondervermögen im Regierungsentwurf bisher auf das Segment der Spezial-AIF beschränkt bleibt. Mit Blick auf das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren sollte die neue Rechtsform auf geschlossene Publikums-AIF ausgedehnt werden. So benötigt der in den letzten Jahren stark rückläufige Markt (prospektiertes Fondsvolumen 2019 ca. 1,5 Mrd. Euro gegenüber knapp 10 Mrd. Euro 2012) dringend neue Impulse. Für den Retail-Bereich verspricht das Sondervermögen gegenüber dem KG-Modell Verschlankungen für Auflage, Verwaltung und Vertrieb und könnte zudem auch in Sachen Digitalisierung und Anlegerakzeptanz punkten. Dass Privat-anleger händeringend nach alternativen Anlagemöglichkeiten suchen, dürfte ohnehin für eine Erstreckung auf das Publikums-Segment sprechen.

Aber auch für den an institutionelle Anlegergruppen gerichteten Spezial-AIF dürfte das neue Vehikel ein Gewinn sein: So kann zukünf-tig die schlanke Rechtsform des Sondervermögens mit den liberalen Produktregelungen des geschlossenen Spezial-AIF kombiniert werden. Um das Produkt attraktiv zu machen, bedarf es allerdings noch Anpassungen im Investmentsteuerrecht, durch die die steuerliche Transparenz wie für offene Spezial-AIF möglich wird. Auch hieran sollte im weiteren Gesetzgebungsverfahren unbedingt gearbeitet werden.

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