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„Lege nie alle Eier in einen Korb“

Foto: Vit-Mar via Shutterstock

Jürgen Kob ist Berater mit 30 Jahren Erfahrung in der traditionellen Finanzindustrie und Vermögensverwaltung. Seit einigen Jahren hat er sich zu einem Experten mit großem Netzwerk im Bereich Fintech und Blockchain/Cryptocurrencies entwickelt und betreut heute im Crypto Valley Zug u. a. Gesellschaften als Verwaltungsrat in strategischen Fragen. Er ist u. a. Mitglied im FINTECH Circle Institute London (UK), der Crypto Valley Association, Bitcoin Association Schweiz sowie beim Deutschen-Fachjournalisten Verband DFJV. Im Interview spricht er über clevere Anlagestrategien und verrät, wie man einen seriösen Broker findet. 

Jürgen Kob

Blockchain-Berater 

Die Digitalisierung geht immer weiter voran. Auch im Handel von Unternehmenswerten kommen immer mehr Online-Anbieter hinzu. Wie können Anleger die passenden und seriösen Broker ausfindig machen?

Das ist richtig. Deshalb ist es wichtig, einen seriösen Broker zu suchen, der zu mir passt. Neulingen fällt es natürlich schwer, zu wissen, was sie genau wollen. Eine Suche im Internet mit „Online Broker“ oder „Brokervergleich“ hilft hier weiter. Auch sollte man sich vorab über Folgendes klar werden: Depot- und Ordervolumen, Anzahl Trades, Usability und Kosten. Seriöse Vergleichsseiten fragen idealerweise diese Punkte im Vorfeld ab.

Welche Möglichkeiten gibt es in Deutschland, sowohl Kryptowerte als auch Wertpapiere einfach und sicher zu handeln?

Ich selbst bin zwar im Crypto Valley in Zug zu Hause, kenne aber natürlich auch gute deutsche Trading-Anbieter. Bei Brokern wie Consors oder Comdirect können Aktien, Fonds oder ETFs einfach und günstig gekauft werden. Mit etwas Glück findet man hier auch einen Krypto-ETF.

Mit Bison, Bitwala oder Bitcoin.de gibt es auch erfolgreiche deutsche Krypto-Broker. Aktien etc. sucht man hier allerdings meistens vergeblich.

Einen „Mix aus beiden Welten“ bietet „justTrade“ aus Frankfurt a. M. in Kooperation mit der Sutor Bank. Aber auch die meisten internationalen Broker sind in Deutschland nutzbar; einfach App runterladen und los geht’s.

Was ist der große Unterschied zwischen Krypto- und Wertpapierhandel?

Auf diesen Punkt bin ich ja bereits eingegangen. Ein weiterer Unterschied ist die Handelszeit. Der Wertpapierhandel unterliegt Börsenzeiten. Krypto-Broker bieten grundsätzlich 24/7 an.

Unterschiedlich ist auch die Verwahrart. Bitcoin kann an einer Exchange gekauft und auf die eigene Wallet übertragen werden. Damit habe ich die alleinige Kontrolle über meine Coins. 

Aktien liegen grundsätzlich in einer Verwahrstelle und ich habe lediglich ein Anrecht auf (m)einen Teil der Aktien. 

Anleger(innen) werden überflutet mit „einzigartigen“ Angeboten von Brokern aus aller Welt. Welche Gebühren, extra Wallets oder Provisionen sind unerlässlich und welche sollten Interessenten vermeiden?

So pauschal lässt sich das nicht sagen. Es gibt Anleger(innen), die für bestimmte Services auch mehr bezahlen. Zeitersparnis oder Unwissenheit sind dafür zwei Beispiele. Bietet der Broker alles gratis, bezahlt man meist mit den persönlichen Daten. Ein Beispiel ist Robinhood.com. Gebühren fallen bei Käufen oder Verkäufen an. Diese sollten transparent ausgewiesen werden. Beim Krypto-Trading werden diese oft im Geld-/Briefkurs „eingepreist“. Somit hat man keine Übersicht, was der Broker wirklich vereinnahmt. Krypto-Wallets berechnen grundsätzlich keine Gebühren. 

Wie schaffen es Online-Broker Sicherheitsstandards wie Legitimation der Identitäten oder Absicherung der investierten Beträge aufrechtzuerhalten?

Der Registrierungsprozess erfolgt nach den gesetzlichen Vorgaben der BaFin & Co. Diese werden immer strenger und lassen inzwischen viele Nutzer verzweifeln. Das Hochladen unzähliger Dokumente oder eine Online-Video-Authentifizierung mit fremden Personen schreckt viele ab. 

Bei Wertpapierbrokern steht grundsätzlich eine Bank/Verwahrstelle im Hintergrund. Aufgrund der gesetzlichen Einlagensicherung besteht kaum das Risiko eines Totalverlustes. 

Bei Kryptoanlagen sieht es etwas anders aus: Inzwischen sind die meisten Börsen zwar gegen Hacks und Diebstahl versichert, aber dennoch ist es schwer, im Kryptomarkt eine absolute Sicherheit gegen Betrug und Diebstahl zu erlangen.

Welche Anlageassets sollten in einem breiten und nachhaltigen Depot berücksichtigt werden (Kryptowerte, ETFs, Aktien, Zertifikate)?

 „Lege nie alle Eier in einen Korb“. Das gilt für Assets und Verwahrung (z. B. Bankdepots, Onlinebroker, Krypto-Börsen oder Wallets). Es wäre höchst fahrlässig, alles auf eine Wallet/Exchange zu setzen. Dann erleidet man eventuell – trotz Kursvervielfachung – beim Krypto-Engagement den Totalverlust. 

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Das Fondsstandortgesetz: Bringt es die erhofften Impulse?

Am 20. Januar hat die Bundesregierung den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des deutschen Fondsstandortes (FoG) verabschiedet. Das Gesetz dient der Umsetzung von EU-Vorgaben zum grenzüberschreitenden Vertrieb von Investmentfonds sowie der Verankerung europäischer ESG-Informationspflichten. Der Gesetzgeber hat diese Verpflichtung zum Anlass genommen, eine Reihe von weiteren Maßnahmen auf den Weg zu bringen, durch die der deutsche Fondsstandort gegenüber Standorten wie z. B. Luxemburg wettbewerbsfähiger gemacht werden soll.

Jochen Schenk

Vizepräsident des ZIA,
Vorstandsvorsitzender Real I.S. Group

Im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), dem Rahmenregelwerk für Auflage und Verwaltung von Investmentfonds, sollen durch gezielte Anpassungen Fondsstrukturierung, -dokumentation und Berichterstattung erleichtert werden. Daneben sollen Schriftformerfordernisse aufgehoben und perspektivisch auf die elek-tronische Kommunikation mit der BaFin umgestellt werden. All das lässt sich hören, wirklich interessant wird es allerdings erst bei den Fondsvehikeln. Der Gesetzgeber spricht von einer Erweiterung der Produktpalette und führt verschiedene neue Fondsvehikel ein, darunter das Infrastruktur-Sondervermögen, das zukünftig als offener Publikums-AIF aufgelegt werden kann. 

Geschlossene AIF, die in Immobilien und andere Sachwerte investieren, können bisher nur als Investmentkommanditgesellschaft (InvKG) oder Investmentaktiengesellschaft aufgelegt werden. Durch das FoG soll ihnen zukünftig auch das Sondervermögen und damit eine bis-her nur für offene AIF zugängliche Rechtsform zur Verfügung stehen. Die Einführung der neuen Rechtsform, die auf eine Idee des ZIA zurückgeht, darf als Paradigmenwechsel verstanden werden, wenngleich das geschlossene Sondervermögen im Regierungsentwurf bisher auf das Segment der Spezial-AIF beschränkt bleibt. Mit Blick auf das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren sollte die neue Rechtsform auf geschlossene Publikums-AIF ausgedehnt werden. So benötigt der in den letzten Jahren stark rückläufige Markt (prospektiertes Fondsvolumen 2019 ca. 1,5 Mrd. Euro gegenüber knapp 10 Mrd. Euro 2012) dringend neue Impulse. Für den Retail-Bereich verspricht das Sondervermögen gegenüber dem KG-Modell Verschlankungen für Auflage, Verwaltung und Vertrieb und könnte zudem auch in Sachen Digitalisierung und Anlegerakzeptanz punkten. Dass Privat-anleger händeringend nach alternativen Anlagemöglichkeiten suchen, dürfte ohnehin für eine Erstreckung auf das Publikums-Segment sprechen.

Aber auch für den an institutionelle Anlegergruppen gerichteten Spezial-AIF dürfte das neue Vehikel ein Gewinn sein: So kann zukünf-tig die schlanke Rechtsform des Sondervermögens mit den liberalen Produktregelungen des geschlossenen Spezial-AIF kombiniert werden. Um das Produkt attraktiv zu machen, bedarf es allerdings noch Anpassungen im Investmentsteuerrecht, durch die die steuerliche Transparenz wie für offene Spezial-AIF möglich wird. Auch hieran sollte im weiteren Gesetzgebungsverfahren unbedingt gearbeitet werden.

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